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Lernstand diagnostizieren mit digitalen Medien

Andreas Lachner
Definition - worum geht’s?

Die akkurate Einschätzung des eigenen Lernstands ist wichtig, damit Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Lernverhalten regulieren können. Empirische Studien weisen darauf hin, dass Schülerinnen und Schüler Probleme haben, ihren individuellen Lernstand korrekt einzuschätzen und eher dazu tendieren ihre aktuelle Leistung zu überschätzen.
Funktionen für das Lernen  - was wird ermöglicht / unterstützt?

Die Nutzung von Kurztests innerhalb des Unterrichts ermöglicht dabei, Lernende bei der Überwachung ihres eigenen Lernverhaltens zu unterstützen. Tests können dabei sowohl in geschlossenen Formaten (Multiple Choice, Wahr-Falsch-Antworten) als auch in offenen Formaten realisiert werden, wie z.B. in Erklärungen. Geschlossene Formate eignen sich eher für die Prüfung von Faktenwissen; offene Formate sind dagegen eher für Transferwissen geeignet. Tests können recht einfach zum Onlinelernen in allen gängigen Lernmanagementsystemen (z.B. Moodle) umgesetzt werden. Bei offenen Items, welche keine direkte Überprüfung durch ein Lernmanagementsystem erlauben, eignet sich beispielsweise auch die Zugabe von Peer-Feedback, in dem Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig Rückmeldung geben. Für die Nutzung von digitalen Kurztests im Unterricht bieten sich auch Audience Response Systeme an, welche direkte Rückmeldung auf Individual- und Klassenebene geben. Kognitionspsychologische Untersuchungen zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler von der Bearbeitung von Tests profitieren, da sie aktiv die gelernten Inhalte abrufen und neue Gedächtnisverknüpfungen generieren. Dieser aktive Abruf hilft zudem den eigenen Wissensstand besser einzuschätzen und Wissenslücken zu identifizieren. Das kann helfen, geeignete Lernstrategien anzuwenden.
 
Gelingensbedingungen für den erfolgreichen Einsatz - wann funktioniert’s und wann nicht?

Wichtige Gelingensbedingungen für den erfolgreichen Einsatz von Tests sind, dass diese kontinuierlich über den Unterricht verteilt sind und nicht gehäuft am Ende einer Unterrichtseinheit stattfinden. Zudem zeigt sich, dass insbesondere bei der Stellung von offenen Testformaten Schülerinnen und Schüler gezielte Leitfragen benötigen, um eine Tiefenverarbeitung während der Testung zu ermöglichen. Eine weitere Gelingensbedingung stellt die Motivation der Schülerinnen und Schüler dar; denn die Beantwortung von Kurztests wird von diesen oft als anstrengend empfunden, da Lernende die Relevanz für das eigene Lernverhalten weniger wahrnehmen. Eine Möglichkeit kann hier sein, Schülerinnen und Schüler explizit über die Nützlichkeit von Kurztests als Lernstrategie zu informieren. Eine weitere Möglichkeit ist es, spielbasierte Elemente hinzuzufügen. Allerdings muss hier berücksichtigt werden, dass diese Elemente Lernende nicht von der Bearbeitung während der Kurztests ablenken. Zudem ist darauf zu achten, dass Schülerinnen und Schüler ihre genutzten Lernstrategien von den Testanforderungen abhängig machen. Wenn Schülerinnen und Schüler sich bspw. bewusst sind, dass sie später nur einfache Multiple-Choice-Fragen beantworten müssen, wenden diese eher oberflächliche Lernstrategien, wie Wiederholen an, obwohl eigentlich tiefergehende Lernstrategien gefordert wären. Dahingehend sollte die Art der Kurztests auf die Lernziele und die zugrundeliegenden didaktischen Verfahren abgestimmt sein.
Beispiele
Interaktive Tools wie H5P aber auch alle gängigen Lern- managementsysteme bieten die Möglichkeit Tests zu gestalten und auszuwerten. Neben konventionellen Tests (wie Richtig-Falsch, Multiple Choice, Lückentexte) können auch komplexere Aufgaben gestaltet werden. Hot Spot-Aufgaben sind z.B. visuelle Aufgaben in denen Lernende bestimmte Bereiche auf einem Bild markieren.
Auch können multimediale Inhalte wie Videos in gängige Tests eingebaut werden. So können Schülerinnen und Schüler beispielsweise authentische Situationen anhand solcher Videovignetten bewerten. Daneben können auch Wissenstests in Videos als interaktive Elemente zur aktuellen Lernstandserhebung eingesetzt werden.
Eine Vielzahl unterschiedlicher Beispiele gibt es auf der Webseite von H5P. Auch für Moodle gibt es eine Kurzanleitung, wie Tests im Kurs integriert werden können.
Literatur - Evidenz

Miller, T. M., & Geraci, L. (2011). Unskilled but aware: Reinterpreting overconfidence in low-performing students. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 37(2), 502–506.

Rowland, C. A. (2014). The effect of testing versus restudy on retention: a meta-analytic review of the testing effect. Psychological Bulletin, 140(6), 1432.

Zhu, C., & Urhahne, D. (2018). The use of learner response systems in the classroom enhances teachers' judgment accuracy. Learning and Instruction, 58, 255-262.

Zitiervorschlag:

Lachner, A. (2020, April). Lernstand diagnostizieren mit digitalen Medien. In Digitalisierung in der Lehrerbildung Tübingen (TüDiLB) (Hrsg.), Evidenzbasierte Hinweise zum Einsatz digitaler Medien im Lehr-Lernkontext.
Inhaltlich aktualisiert am 10.05.2020

Zuletzt geändert: 19. Mai 2020, 13:35, [a.stephan]


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