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Erstellen literarästhetischer Landkarten mit digitalen Medien im Deutschunterricht

Patrizia Breil
Definition - worum geht’s?

Ziel des Einsatzes literarästhetischer Landkarten mit digitalen Medien ist die Förderung literarästhetischen Lernens durch einen kreativen Zugang zu literarischen Texten. Nach dem Lesen beispielsweise einer Ballade wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben, ihr eigenes Verständnis des Gelesenen zur Darstellung zu bringen. Hierzu stehen den Lernenden sämtliche technische Hilfsmittel zur Verfügung. Auf dem Tablet können online verfügbare Bilder mit selbst aufgenommenen Videos oder eingesprochenen Tonspuren, die musikalisch unterlegt oder technisch moduliert werden können, kombiniert werden . Die Atmosphäre des Texts wird so von den Schülerinnen und Schülern multimedial zum Ausdruck gebracht. Neben dem Texterschließen liegt hierbei der Fokus darauf, dass Lernende ihr eigenes literarisches Verständnis zum Ausdruck bringen können.
Funktionen für das Lernen  - was wird ermöglicht / unterstützt?
In der Auseinandersetzung mit literarischen Texten geht es im Deutschunterricht zunächst um grundlegendes Textverständnis und Lesekompetenz. Mit dem Einbezug digitaler Medien und der Aufgabe, eine literarästhetische Landkarte zu erstellen, sind die Lernenden dazu aufgefordert, ihren Interpretationsprozess multimedial auszugestalten. Der kreative Zugang zum Text ermöglicht so zusätzlich die Förderung von Darstellungskompetenzen. Die Bedeutung und Atmosphäre des Texts soll von den Lernenden in Bildern, Videos und Tonspuren festgehalten werden. Vorstellbar ist hier neben der Aufzeichnung von szenischen Darstellungen beispielsweise., dass Textpassagen eingesprochen und technisch verlangsamt oder verschnellert werden. Dabei steht insbesondere ein entsprechendes ästhetisches Empfinden im Vordergrund, das den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, bspw. Bild- und Textelemente inhaltlich zu verknüpfen.

In der anschließenden Präsentation der Ergebnisse werden die Lernenden dazu aufgefordert, ihre medialen Adaptionen zu erläutern. Dabei soll auch der sinnvolle Einsatz digitaler Medien zum Ausdruck der Textinhalte reflektiert werden. Das eigene Textverständnis wie auch die eigenen Deutungsprozesse werden hierbei einer reflexiven Analyse unterzogen. Auch in der Gegenüberstellung mit anderen medialen Umsetzungen wird deutlich, dass der literarische Text verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zulässt. Darüber hinaus zeigt sich in den verschiedenen medialen Adaptionen, dass Sprache für die Schülerinnen und Schüler und deren Identität eine je individuelle Bedeutung entfaltet. Dass derselbe Text Anlass zu unterschiedlichsten ästhetischen Erfahrungen sein kann, zeigt sich im vielfältigen Einsatz technischer Möglichkeiten in der literarästhetischen Landkarte. Verstanden als Zeichen des eigenen Zugangs zur textlichen Wirklichkeit dient eine literarästhetische Landkarte neben der Förderung von Deutungs-, Text- und Darstellungskompetenz zusätzlich der Sensibilisierung für den Zusammenhang von Sprache und Identität.
 
Gelingensbedingungen für den erfolgreichen Einatz - wann funktioniert’s und wann nicht?

Für das Erstellen von literarästhetischen Landkarten eignen sich insbesondere lyrische Texte. Aufgrund ihres hohen Bedeutungsgehalts bieten bspw. Balladen den Schülerinnen und Schülern vielfältige Möglichkeiten, eigene Deutungshypothesen aufzustellen und kreativ umzusetzen. Damit mithilfe der multimedialen Erzeugnisse ein erfolgreiches literarästhetisches Lernen angeregt werden kann, ist es von zentraler Bedeutung, die entstehende Landkarte an ihre literarische Vorlage rückzubinden. In einer Diskussion können verschiedene Umsetzungen vorgestellt und mit dem Ursprungstext abgeglichen werden. Auf diese Weise werden verschiedene Deutungsmöglichkeiten aufgezeigt, die den Schülerinnen und Schülern die Reflexion ihres eigenen Textverständnisses ermöglichen. Dem unabschließbaren Bedeutungsgehalt des lyrischen Textes können die Lernenden so eine Vielzahl möglicher interpretierender Zugänge entgegensetzen. Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz digitaler Medien zur Erstellung literarästhetischer Landkarten ist außerdem eine präzise Aufgabenstellung. Die Schülerinnen und Schüler müssen mit den Möglichkeiten des Einsatzes digitaler Medien vertraut gemacht werden und sich in den Umgang mit entsprechenden Programmen einarbeiten können. Durch das Aufzeigen verschiedener Beispiele kann die Aufgabenstellung zusätzlich verdeutlicht werden. Eine entsprechende technische Vorbereitungs- und Einarbeitungszeit muss bei der Planung einer solchen Aufgabenstellung deshalb unbedingt berücksichtigt werden.
Beispiele
 
Weitere Informationen zum Thema Erstellen literarästhetischer Landkarten mit digitalen Medien finden sich im Video:
    
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Literatur - Evidenz
Abraham, U. & Kepser, M. (2016). Literaturdidaktik Deutsch. Eine Einführung (4. Aufl.). Berlin: Schmidt.

Gailberger, S. & Wietzke, F. (2018). Deutschunterricht in einer digitalisierten Gesellschaft. Unterrichtsanregungen für die Sekundarstufe. Weinheim: Beltz.

Hochstadt, C., Krafft, A. & Olsen, R. (2015). Deutschdidaktik. Konzeptionen für die Praxis (2. Aufl.). Tübingen: Francke.

Wampfler, P. (2017). Digitaler Deutschunterricht. Neue Medien produktiv einsetzen. Goettingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Zitiervorschlag:

Breil, P. (2020, April). Das Erstellen literarästhetischer Landkarten mit digitalen Medien im Deutschunterricht. In Digitalisierung in der Lehrerbildung Tübingen (TüDiLB) (Hrsg.), Evidenzbasierte Hinweise zum Einsatz digitaler Medien im Lehr-Lernkontext.
Inhaltlich aktualisiert am 10.05.2020

Zuletzt geändert: 19. Mai 2020, 16:25, [a.stephan]


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