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Medienbildung in der Schule

Leonie Jacob
Definition - worum geht’s?

Medienbildung umfasst das Lernen mit und über Medien und zielt auf einen kritisch-reflektierten und kompetenten Umgang mit digitalen Medien ab. Das Unterrichten von Medienbildung wurde in der Kultusministerkonferenz im Jahr 2012 schriftlich für alle Schularten und -fächer empfohlen und mittlerweile von allen Bundesländern als zusätzliches Bildungsziel aufgenommen (z.B. im Bildungsplan 2016 von Baden-Württemberg). Schülerinnen und Schüler sollen somit einerseits in der Lage sein, digitale Medien im Unterricht kompetent einzusetzen und diese effizient zu nutzen (siehe LERNEN MIT DIGITALEN MEDIEN). Andererseits sollen sie auch ein Bewusstsein über digitale Medien entwickeln und diese kritisch reflektieren können. Dies schließt auch die Auseinandersetzung mit potenziellen Risiken digitaler Medien ein, welche sowohl bei der Nutzung in der Schule als auch im Alltag der Schülerinnen und Schüler auftreten können. Durch eine solche Vermittlung von Wissen über Medien sollen Schülerinnen und Schüler bei einem angemessenen und sinnvollen Umgang mit digitalen Medien unterstützt werden.
Funktionen - was wird ermöglicht / unterstützt?

Die Kultusministerkonferenz 2012 legt insgesamt sechs Ziele fest, welche im schulischen Bildungsverlauf erworben werden sollen. Diese umfassen den kritischen und geschützten Umgang mit Informationen, Kommunikations-, Präsentations- und Problemlösefähigkeiten und die Bedeutung digitaler Medien für die Gesellschaft. So sollen Schülerinnen und Schüler  beispielsweise in der Lage sein, bei Recherchearbeiten Inhalte und Quellen zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen, um somit mögliche Gefahren, wie Fake News oder Propaganda, zu erkennen. Gleichzeitig sollen Schülerinnen und Schüler lernen, sicher im Internet zu agieren. Sie müssen mit den Datenschutzrichtlinien der Anbieter vertraut gemacht werden und lernen, ihre Privatsphäre zu schützen, um mögliche Cyberattacken oder Cyber-Grooming-Angriffe,  ein gezieltes Annähern im Internet an Minderjährige durch Erwachsene, zu vermeiden. Zudem sollen Schülerinnen und Schüler auch ihr eigenes Nutzungsverhalten reflektieren können. Sie sollen sich über ihre Nutzung digitaler Medien bewusst werden, um Suchtverhalten (z.B. Spielsucht) oder negative Emotionen (z.B. Neidentwicklung durch soziale Plattformen) präventiv zu verhindern. Diese festgelegten Ziele sollen Schülerinnen und Schüler zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben befähigen und gleichermaßen potenziellen Risiken im Internet entgegenwirken. Nationale und internationale Vergleichsstudien (bspw. ICILS 2018, Länderindikator 2017) zeigen, dass Schülerinnen und Schüler digitale Medien zwar bedienen, sie aber häufig nicht effizient und sinnvoll zum Lernen einsetzen können und lediglich durchschnittliche Medienkompetenzen aufweisen. Somit sind sie auf die schulische Ausbildung angewiesen, um ihre Medienbildung auszuweiten.
 
Gelingensbedingungen für die erfolgreiche Umsetzung - wann funktioniert’s und wann nicht?
Die Vermittlung von Informationen über digitale Medien sollte immer an die Altersgruppe und die Fähigkeiten der Schülerschaft angepasst werden und erfordert eine durchdachte Vorarbeit seitens der Lehrperson. Es ist prinzipiell ratsam, jüngeren Schülerinnen und Schülern eine bereits geprüfte Vorauswahl (z.B. von Suchmaschinen, Kommunikationsmöglichkeiten) zur Verfügung zu stellen, da sie sonst mit einer zu großen Auswahl überfordert wären. Ältere Schülerinnen und Schüler sollten hingegen das selbstständige Arbeiten und das begründete Auswählen digitaler Medien erlernen und bei diesem Prozess durch genaue Anweisungen unterstützt werden. Um beispielsweise die Recherchefähigkeiten bei Schülerinnen und Schülern zu fördern, sind bei jüngeren Klassen deutlich mehr Struktur und Rahmenbedingungen notwendig. Hier sollte den Schülerinnen und Schülern eine kleine Auswahl an guten Internetseiten für ihre Informationssuche zur Verfügung gestellt werden, mit dem Auftrag, die Informationen zu vergleichen, zu verknüpfen und richtig zu zitieren. Ältere Schülerinnen und Schüler hingegen sollten sich ihre Informationen selbstständig im Internet suchen, hierbei jedoch die Quelle, den Inhalt und die Aktualität des Beitrages prüfen und angemessen zitieren.

Zudem sollten auch die inhaltlichen Themen, wie Fake News oder Cyber-Grooming, an das Wissen der Schülerinnen und Schüler angepasst werden und auf verständliche Weise unterrichtet werden. Mit älteren Schülerinnen und Schülern können Lehrpersonen hierbei die Inhalte durch Fallbeispiele (z.B. fiktive Beispiele von Cyber-Grooming) oder die genaue Analyse einzelner Fälle vertiefen und daraus Verhaltensregeln und Schutzmaßnahmen ableiten. Für jüngere Schülerinnen und Schüler könnten emotional schwierige Themen wie Cyber-Grooming zu beängstigend sein. Um den Risiken dennoch präventiv entgegen zu wirken, können Lehrpersonen jedoch allgemein über die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler und deren Schutz ihrer Privatsphäre und über den Umgang mit anderen Personen im Internet (z.B. das Chatten mit Fremden) sprechen. Auch hier ist es ratsam, gemeinsame Verhaltensregeln in der Schule festzulegen.

Die Informationssuche und das Lernen im Internet ist eine der häufigsten Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien im Unterricht. Eine hinreichende Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler ist wesentliche Voraussetzung, um diese Lerngelegenheit sinnvoll und effektiv in den Unterricht einzubinden.
Tools
  • klicksafe (Informationsplattform für Schülerinnen und Schüler zum sicheren Umgang im Internet)
  • Schau hin (Informationsplattform für Eltern zum sicheren Umgang im Internet)
Literatur - Evidenz

Baumgarter, P., Brandhofer, G., Ebner, M., Gradinger, P., & Korte, M. (2015). Medienkompetenz fördern: Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter. Nationaler Bildungsbericht Österreich, 2, 95-132.

Eickelmann B., Bos, W., Gerick, J., Goldhammer, F., Schaumburg, H., Schwippert, K., Senkbeil, M., & Vahrenhold, J. (2019). ICILS 2018 #Deutschland: Computer- und Informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im zweiten internationalen Vergleich und Kompetenzen im Bereich Computational Thinking. Münster; New York: Waxmann Verlag.

Kultusministerkonferenz (2012). Bildung der digitalen Welt: Strategien der Kultusministerkonferenz. Online verfügbar unter: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2018/Strategie_Bildung_in_der_digitalen_Welt_idF._vom_07.12.2017.pdf.

Lorenz, R., Bos, W., Endberg, M., Eickelmann, B., Grafe, S., & Vahrenhold, J. (2017). Schule digital - Der Länderindikator 2017: Schulische Medienbildung in der Sekundarstufe 1 mit besonderem Fokus auf MINT-Fächer im Bundesländervergleich und Trends von 2015 bis 2017. Münster; New York: Waxmann.

Vos, S. (2018). Im digitalen Zeitalter qualitätsorientiert lernen: Chancen und Grenzen digitaler Medien. Stuttgart: Landesinstitut für Schulentwicklung.

Zitiervorschlag:

Jacob, L. (2020, April). Medienbildung in der Schule. In Digitalisierung in der Lehrerbildung Tübingen (TüDiLB) (Hrsg.), Evidenzbasierte Hinweise zum Einsatz digitaler Medien im Lehr-Lernkontext.
Inhaltlich aktualisiert am 18.05.2020

Zuletzt geändert: 19. Mai 2020, 14:40, [a.stephan]