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Lernen mit Erklärvideos

Andreas Lachner
Definition - worum geht’s?
Die Nutzung von Erklärvideos ist eine häufige Methode der Wissensvermittlung vor allem in informellen Lernsettings. Erklärvideos sind Kurzfilme, in denen eine Person erläutert, wie sie etwas macht oder wie etwas funktioniert. Dabei zeigt die erklärende Person, wie sie eine Aufgabe löst, während sie gleichzeitig ihr Vorgehen beschreibt und begründet. So werden die Gedanken des Erklärenden, der als Modell fungiert, zugänglich. Die Anwendungsbereiche sind vielfältig und reichen von direkt beobachtbaren Handlungsabläufen (z.B. Aufbau und Durchführung eines naturwissenschaftlichen Experiments; Lösen von Mathematikaufgaben, Verfassen einer Erörterung) bis zur Erläuterung abstrakter Konzepte und Zusammenhänge. Häufig finden Erklärvideos in der Vermittlung von Inhalten Verwendung, indem Schülerinnen und Schüler diese zum Wissenserwerb anschauen.
Funktionen für das Lernen  - was wird ermöglicht / unterstützt?

Erklärvideos dienen in anfänglichen Phasen des Wissenserwerbs primär dazu, Schülerinnen und Schülern kanonisches Wissen zu vermitteln. Auch eignen sich Kurzvideos zu Beginn des Unterrichts für einen Überblick über den folgenden Inhalt im Sinne eines Advance Organizers (Überblick über den folgenden Inhalt). Insbesondere für schwächere Schülerinnen und Schüler, die über wenig Vorwissen verfügen, können sie eine Möglichkeit bieten alternative Vorstellungen zu adressieren.
 
Gelingensbedingungen für den erfolgreichen Einsatz - wann funktioniert’s und wann nicht?
Bei der Gestaltung von Erklärvideos ist darauf zu achten, die Inhalte in strukturierter und kohärenter Weise, ähnlich eines Inputs, darzustellen. Insbesondere kann es sinnvoll sein, Schülerinnen und Schüler Hintergrundinformation zu geben (z.B. warum ein mathematischer Lösungsschritt durchgeführt wird), da diese beim Lösen von Problemen unterstützen (und nicht überfordern). Ein Hauptproblem besteht darin, dass Lernende Videoerklärungen nur oberflächlich verarbeiten. Hierzu kann es helfen, Videos in kleine Segmente aufzuteilen und durch aktivierende Methoden zu ergänzen. So erlauben verschiedene Systeme bspw. Multiple Choice oder offene Fragen innerhalb des Videos zu stellen, die Lernende anregen, sich die Inhalte selbst zu erklären. Bei der Gestaltung der Videos kann der Erklärende entweder im Video sichtbar  oder verborgen sein, wie beispielsweise bei Bildschirmaufzeichnungen. Der bisherige Stand der Forschung deutet darauf hin, dass die Sichtbarkeit des Erklärenden sowie allgemeine Charakteristika wie Geschlecht oder Ähnlichkeit zum Lernenden eine geringe Rolle spielen. Jedoch zeigte sich in einer Studie, dass Lernende von Erklärvideos mit älteren Erklärenden mehr profitieren, wahrscheinlich, da sie die Inhalte als glaubwürdiger einschätzen und daher tiefer verarbeiten.
Tools Weitere Informationen rund ums Thema “Erklärvideos in der Schule” finden sich im Video 
Literatur - Evidenz

Merkt, M., Weigand, S., Heier, A., & Schwan, S. (2011). Learning with videos vs. learning with print: The role of interactive features. Learning and Instruction, 21(6), 687-704.

Merkt, M. & Schwan, S. (2018). Lernen mit Bewegtbildern: Videos und Animationen [first online]. In H. Niegemann & A. Weinberger (Hrsg.), Lernen mit Bildungstechnologien: praxisorientiertes Handbuch zum intelligenten Umgang mit digitalen Medien. Berlin: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54373-3_32-1

Van Gog, T., Verveer, I., & Verveer, L. (2014). Learning from video modeling examples: Effects of seeing the human model's face. Computers & Education, 72, 323-327.

Zitiervorschlag:

Lachner, A. (2020, April). Lernen mit Erklärvideos. In Digitalisierung in der Lehrerbildung Tübingen (TüDiLB) (Hrsg.), Evidenzbasierte Hinweise zum Einsatz digitaler Medien im Lehr-Lernkontext.
Inhaltlich aktualisiert am 18.05.2020

Zuletzt geändert: 19. Mai 2020, 14:53, [a.stephan]