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Lernen mit dynamischen Präsentationsmedien

Katharina Scheiter
Definition - worum geht’s?

Dynamische Präsentationsmedien sind beispielsweise Videos oder computergenerierte Animationen. Sie eignen sich für die Darstellungen von Veränderungen über die Zeit und können damit überall dort sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden, wo es um das Nachvollziehen von Prozessen geht. Dynamische Präsentationsmedien enthalten häufig Möglichkeiten, den Ablauf der Animation oder des Videos zu steuern - über Start-, Pause-, Vorwärts- und Rückwärts-Buttons.
Funktionen für das Lernen  - was wird ermöglicht / unterstützt?
Dynamische Präsentationsmedien illustrieren auf nachvollziehbare Weise Veränderungen über die Zeit - z.B. wenn Objekte ihre Farbe oder Form verändern (Zellteilung in der Biologie), sich von A nach B bewegen (Planetenbewegungen in der Physik) oder bei der Vermittlung komplexer Geschehensabläufe (Völkerwanderungen in der Geschichte). Schülerinnen und Schüler können diese Veränderungen direkt beobachten, ohne dass sie sich diese selbst vorstellen müssen z.B. anhand einer Serie statischer Bilder. Dieser Prozess der mentalen Animation (also dem geistigen Vorstellen von Bewegungen) ist fehleranfällig und zwar insbesondere dann, wenn sich Veränderungen nicht kontinuierlich ergeben, sondern sprunghafter Natur sind.  
 
Gelingensbedingungen für den erfolgreichen Einsatz - wann funktioniert’s und wann nicht?

Als erstes sollte geprüft werden, ob ein dynamisches Darstellungsformat überhaupt notwendig ist. Steht das Nachvollziehen von Veränderungen über die Zeit überhaupt im Vordergrund dessen, was vermittelt werden soll? Dynamische Darstellungsformate stellen nämlich auch erhöhte Anforderungen an die kognitive Verarbeitung durch die Schülerinnen und Schüler: Sie müssen (a) in dem kontinuierlichen Informationsfluss wesentliche Zwischenzustände erkennen können (z.B. bei der Zellteilung den Zeitpunkt, an dem sich die Spindelfasern auf der Äquatorialebene angeordnet haben); (b) zum richtigen Zeitpunkt auf die gerade in dem Augenblick wesentliche Information achten, um diese nicht zu verpassen und (c) das Gesehene zu einem Gesamtprozess zusammenfügen und sich diesen merken, während gleichzeitig immer neue Informationen auf sie einströmen. Gerade lange Videos oder Animationen bergen damit die Gefahr der kognitiven Überforderung. Bei der Auswahl von Videos und Animationen sollte daher darauf geachtet werden, dass diese nur so viel Informationen enthalten, wie für das Verstehen unmittelbar notwendig ist. Sie sollten sie beispielsweise keine animierten Zusatzelemente beinhalten, die die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen ablenken. Zooms, farbliche Hervorhebungen und Überzeichnungen können genutzt werden, um die Aufmerksamkeit zu lenken. Schließlich sollten dynamische Präsentationsformate entweder mit Steuermöglichkeiten versehen sein (s.o.) oder in kürzere Abschnitte mit Pausen unterteilt sein, in denen das Gesehene im Gedächtnis verankert werden kann. In diesen Pausen können auch kleine Selbsttestfragen eingebaut werden (vgl. Lernen mit Erklärvideos). Eine solche Unterteilung ist sogar noch lernförderlicher als die Vorgabe von Steuermöglichkeiten, bei denen sich immer wieder zeigt, dass diese von Lernenden kaum oder wenig sinnvoll genutzt werden (vgl. Gelingensbedingungen für das fachliche Lernen mit digitalen Medien). Segmentierte dynamische Präsentationsformate reduzieren nicht nur die kognitive Belastung beim Lernen, sondern wirken auch motivationalen Schwierigkeiten entgegen. Gerade lange Videos bergen die Gefahr, dass Lernende sich nicht mehr hinreichend anstrengen, um das Gesehene zu verstehen.  
Beispiele

Zwei Beispiele für die Umsetzung dynamischer Präsentationsformate zu biologischen Inhalten mit Pausen und Selbsttestfragen finden sich hier zur Mitose und hier zur Meiose auf dem Landesbildungsserver Baden-Württemberg (zuletzt geprüft am 20.05.2020).

Verschiedene weitere Anwendungen vorwiegend für den naturwissenschaftlichen Unterricht finden sich auf:
Literatur - Evidenz

Scheiter, K., Gerjets, P., & Gemballa, S. (2016). Wie wirksam sind Filme und Animationen im Biologieunterricht? Ergebnisse der empirischen Lehr-Lernforschung. Praxis der Naturwissenschaften 65 (3), 5-10. Volltext downloaden

Zitiervorschlag:

Scheiter, K. (2020, April). Lernen mit dynamischen Präsentationsmedien. In Digitalisierung in der Lehrerbildung Tübingen (TüDiLB) (Hrsg.), Evidenzbasierte Hinweise zum Einsatz digitaler Medien im Lehr-Lernkontext.
Inhaltlich aktualisiert am 18.05.2020

Zuletzt geändert: 15. Jun 2020, 15:18, [v.nagel]