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Informationen für Promovierende und Postdocs - Information for doctoral candidates & postdoctoral researchers

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Finanzierungsmöglichkeiten der Promotion - Allgemeine Informationen

   
Voraussetzung für eine Promotion sind neben der entsprechenden Qualifikation wissenschaftliche Leidenschaft und eine gesicherte Finanzierung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Kosten für den Lebensunterhalt während der Promotionsphase abzudecken. Oft nutzen Doktorandinnen und Doktoranden in dieser Phase auch mehrere unterschiedliche Finanzierungformen, teils parallel, teils zeitlich aufeinanderfolgend. Einen Überblick über die gängigsten Finanzierungsmöglichkeiten einer Promotion sowie deren Vor- und Nachteile bietet die folgende Auflistung.
   

1 Wissenschaftliche Tätigkeit in Forschung und Lehre

Viele Promovierende sind als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter an einer Universität oder in außeruniversitären Forschungseinrichtungen tätig. In der Regel schreiben Institute Mitarbeiterinnen- bzw. Mitarbeiterstellen mit der Möglichkeit zur Promotion in einem bestimmten Fachbereich aus. Doktorandinnen und Doktoranden sind neben der Promotion in Forschung und Lehre am Institut eingebunden. Bei einigen Stellen ist die eigene wissenschaftliche Qualifikation – die Promotion – Bestandteil der Stellenbeschreibung und thematisch nah an den Arbeitsaufgaben angesiedelt. In diesem Fall können Promovierende ihre Dissertation anteilig während der Arbeitszeit verfassen.
 
Daneben gibt es auch Mitarbeiterstellen, bei denen die wissenschaftliche Qualifikation nicht vorgesehen ist – „Projektstellen“, sodass keine oder nur wenig Zeit für die eigene wissenschaftliche Arbeit bleibt.
 
Bei einer Anstellung an der Universität sind Promovierende krankenversichert und zahlen Sozialabgaben, sodass Rentenansprüche erworben werden. Die Stellen sind jedoch meist zeitlich befristet und nicht selten auf eine Teilzeitbeschäftigung begrenzt.
 
Um mehr Transparenz und verlässlichere Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu schaffen, hat die Universität Tübingen eine Richtlinie für die Befristung von Beschäftigungsverhältnissen verabschiedet. Sie regelt u.a. auch Befristungen für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der Promotionsphase oder einem anderen Qualifikationsziel ohne Promotion.
   

2 Beschäftigung außerhalb der Universität

Im Rahmen einer externen Promotion ist auch eine forschungsferne Tätigkeit, beispielsweise in der Industrie, möglich. Einige Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, in der Regel größere Unternehmen, finanzieren Promotionsprojekte, die einen Bezug zu den Unternehmenszielen haben. Der Vorteil einer Industrie-Promotion liegt in der engen Verbindung zum Unternehmen, die oft einen Direkteinstieg nach der Fertigstellung der Dissertation ermöglicht.
 
Davon zu unterscheiden sind Beschäftigungen, die nicht auf eine Promotion ausgelegt sind und in denen die wissenschaftliche Arbeit außerhalb der Arbeitszeit erstellt werden muss. Dies ist häufig der Fall, wenn Doktorandinnen oder Doktoranden bereits vor Beginn der Dissertation im Berufsleben stehen und sich berufsbegleitend qualifizieren möchten. In diesen Fällen ist die Regelmäßigkeit und die Häufigkeit des Kontakts nicht nur zu den Betreuenden wichtig, sondern im Besonderen auch die Einbindung in einen Forschungskontext, der durch das Institut, den Fachbereich, die Fakultät, andere promovierende und promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fachs hergestellt wird. Dies kann zum Beispiel über die Teilnahme an Promotionskolloquien, Fachtagungen des Instituts oder Fachbereichs oder über Fachkonferenzen erfolgen.
 
Einige Promovierende entscheiden sich auch dafür, einen oder sogar mehrere Nebenjobs anzunehmen, um ihre Dissertation zu finanzieren. Diese Form der Finanzierung stellt jedoch häufig – beispielsweise aufgrund der unregelmäßigen Arbeitszeiten – eine große Belastung dar.
   

3 Promotionsstipendium

Vollzeitstipendien für die Promotion werden vor allem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und durch die Begabtenförderungswerke des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vergeben.
 
Die DFG vergibt die Stipendien nicht direkt, sondern fördert Graduiertenkollegs und Graduiertenschulen an Universitäten. An diesen kann in einem strukturierten Programm promoviert werden, das auch Lehrveranstaltungen und Kolloquien beinhaltet. Um einen Platz in einem Graduiertenkolleg und einer Graduiertenschule zu erhalten, müssen meist überdurchschnittliche Studienleistungen erbracht werden. Zudem muss Interesse an den Forschungsschwerpunkten des Graduiertenkollegs bzw. der Graduiertenschule bestehen und eine thematische Passung des Promotionsprojekts gegeben sein. In Graduiertenkollegs und -schulen werden – neben oder anstelle von Stipendien – zunehmend auch Mitarbeiterinnen- bzw. Mitarbeiterstellen vergeben.
 
Auch die Begabtenförderungswerke setzen exzellente Leistungen voraus, hier werden jedoch auch gesellschaftliches und soziales Engagement mit in die Auswahlentscheidung einbezogen. Zusätzlich zu der finanziellen Förderung gibt es hier oft auch noch ideelle Bildungs- und Vernetzungsangebote, beispielsweise in Sommerakademien.
 
Neben den großen Förderwerken des BMBF gibt es auch einige kleinere Stiftungen, die Stipendien oder Zuschüsse vergeben und unterschiedliche Bewerbungsvoraussetzungen festlegen.
 
Die Laufzeit eines Stipendiums beträgt meist zwei bis drei Jahre, zum Teil gibt es Verlängerungsoptionen. Stipendien sind sozialabgabenfrei, weshalb keine Rentenansprüche erworben werben und kein Anspruch auf Arbeitslosengeld nach Ablauf der Förderung besteht.
HINWEIS
Promotionsstipendien lassen sich in der Regel nur eingeschränkt mit einer Beschäftigung kombinieren. Näheres dazu regeln die Stipendienrichtlinien. 

4 Übersicht: Vor- und Nachteile verschiedener Finanzierungsmöglichkeiten

Pro
Contra
Stelle an der Universität
  • Einbindung in Forschung und Lehre
  • Anfertigung der Dissertation als Teil der Arbeitszeit
  • Angestellte sind Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung und zahlen Sozialabgaben, so dass Rentenansprüche erworben werden und Anspruch auf Arbeitlosengeld besteht (bei mind. 12 monatiger Beschäftigung)
  • Projektstellen auf denen keine wissenschaftliche Qualifikation vorgesehen ist, lassen nur wenig Zeit für die eigene Arbeit
  • Stellen sind meist befristet und häufig auf Teilzeit ausgelegt
Stipendium
  • Renommee
  • Möglichkeiten zum Networking
  • ggf. weitere Unterstützung durch den Stipendiengeber (z.B. Reisestipendien)
  • viel Zeit für das eigene Projekt
  • keine Einbindung in Forschung und Lehre bzw. muss diese aktiv eingefordert werden
  • keine gesetzliche Krankenversicherung und keine Sozialabgaben; d.h. keine Rentenansprüche und kein Anspruch auf Arbeitslosengeld; freiweilige Krankenversicherung oftmals sehr teuer
Stelle außerhalb der Universität
  • finanzielle Situation ist grundsätzlich geklärt
  • größere Unternehmen können manchmal Promotionsprojekte finanzieren, die einen Bezug zu den Unternehmenszielen haben
  • Angestellte sind gesetzlich Krankenversichert und zahlen Sozialabgaben
  • ggf. bleibt wenig Zeit für die wissenschaftliche Arbeit
  • Arbeiten an der Dissertation müssen in der Freizeit erledigt werden
  • in der Regel keine Einbindung in Lehre und Forschung (ggf. muss man sich aktiv darum bemühen)
  • bei mehreren Nebenjobs: unregelmäßige Arbeitszeiten erschweren die Arbeit an der Dissertation
private Finanzierung (z.B. Finanzierung durch Eltern, Partner/innen, Angehörigen oder durch eigenes Erspartes)
  • viel Zeit für Arbeiten am Promotionsprojekt
  • Unabhängigkeit von Förderinstitutionen
  • keine gesetzliche Krankenversicherung und keine Sozialabgaben; d.h. keine Rentenansprüche und kein Anspruch auf Arbeitslosengeld
  • keine Einbindung in Forschung und Lehre bzw. muss diese aktiv eingefordert werden
  • keine Einbindung in Strukturen des Stipendiengebers (z.B. keine Möglichkeiten zur Vernetzung)
   
WEITERFÜHRENDE LITERATUR
  • Becker, J. (2015). Das Einmaleins der Promotion. Hamburg: academics GmbH.
  • Nünning, A. & Sommer, R. (2007). Handbuch Promotion. Forschung – Förderung – Finanzierung. Stuttgart: J.B. Metzler.

Zuletzt geändert: 14. Jan 2019, 13:22, [v.becker]


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