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Schreiben im Promotionsprozess

English Version: Writing in the doctoral process
Der Schreibaufwand während einer Promotion variiert stark und hängt von der jeweiligen Fachdisziplin und der methodischen Herangehensweise ab. Tendenziell ist er bei geisteswissenschaftlichen Promotionsprojekten und bei Projekten, die textbasiert und theoriegeleitet arbeiten, höher, als bei Arbeiten in den Naturwissenschaften bzw. bei empirischen Projekten. Auch wenn es in einigen Fachbereichen üblich ist, erst recht spät in den Schreibprozess überzugehen und die Ergebnisse nach Abschluss der Datenerhebung und -auswertung „zusammenzuschreiben“, empfiehlt es sich, frühzeitig mit dem Schreiben zu beginnen. Es besteht sonst die Gefahr, dass Sie den Einstieg in das Schreiben als zu große Hürde empfinden und ihn dadurch immer länger hinauszögern.
Schreiben sollte als kontinuierlicher Prozess parallel zum Denk- und "Gedankenentwicklungsprozess" stattfinden. Dadurch kann dem eigenen Anspruch, gleich einen perfekten Text zu verfassen, entgegengewirkt werden. Natürlich gibt es aber nicht nur einen Weg, den Schreibprozess zu gestalten, sondern vielmehr eine Vielzahl an Herangehensweisen, die auch von der persönlichen Präferenz abhängen.

1 Schreibphasen

Grundsätzlich lässt sich das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit, sei es eine Monographie oder ein Artikel, in mehrere Phasen aufteilen. Diese umfassen normalerweise die Orientierung im Thema, die Recherche von Hintergrundwissen, das Strukturieren des Textes und der Inhalte, das Schreiben einer Rohfassung und das Überarbeiten (vgl. Esselborn-Krumbiegel 2017: 16-24). Dabei ist zu beachten, dass die Grenzen zwischen diesen Phasen fließend sind und sie nahtlos ineinander übergehen. Das bedeutet auch, dass Sie häufig Arbeiten parallel verrichten werden, die hier zwei verschiedenen Phasen zugeordnet werden, z. B. können Sie die Rohfassung eines Kapitels schreiben und parallel dazu ein anderes Kapitel überarbeiten.

In der Orientierungsphase nähern Sie sich dem Thema. Das bedeutet, dass Sie Ideen sammeln, das Thema eingrenzen, einen Überblick über die Literatur gewinnen und eine (erste grobe) Forschungsfrage entwickeln. Dies ist auch die Phase, in der Sie im Normalfall ein Exposé verfassen, in dem der erste Überblick über die Literatur sowie erste Überlegungen zu Datenerhebung und Methodik entwickelt werden. Hier sind auch Gedanken zu Materialien, Geräten, Labor- bzw. Arbeitsplätzen, der Gewinnung von Interviewpartnern etc., die Sie für Ihre Arbeit benötigen, wichtig. Ebenso sollten Sie sich über einschlägige Software informieren und klären, woher Sie diese bekommen und ggf. beginnen, sich einzuarbeiten.

In der Recherchephase beschäftigen Sie sich dann intensiver mit der Forschungsliteratur und auch mit den Primärquellen/-daten. Hier findet intensive Literaturarbeit statt, d. h. Sie gewinnen einen Überblick über das Forschungsfeld, werten wissenschaftliche Artikel und weitere Beiträge aus, und können neuere Beiträge in der Diskussion verorten. In empirischen Arbeiten wird das Forschungsdesign konzipiert und Pilotstudien und Pretests durchgeführt. Danach werden in dieser Phase üblicherweise die Daten erhoben.

In der Strukturierungsphase ordnen Sie das Material aus den vorhergehenden Phasen und entwickeln Hypothesen und eine (erste) Gliederung. Spätestens jetzt sollte der inhaltliche Zusammenhang und die Kohärenz der Arbeit, der rote Faden, auch für andere erkennbar werden.

Schließlich wird eine Rohfassung des Textes geschrieben. Bei der Rohfassung sollten Sie sich zunächst nur auf das Inhaltliche konzentrieren. Sprachliche und stilistische Aspekte können Sie später berücksichtigen. Zu diesem Zeitpunkt ist es wichtig, dass Sie alles, was Sie in Ihrer Arbeit (bzw. in dem Kapitel oder Abschnitt, an dem Sie grade arbeiten) sagen möchten, aufschreiben, nicht zuletzt, damit Sie es nicht vergessen. Ein anderer wichtiger Effekt ist, dass Sie damit Erfolge generieren, die Sie sehen können. Sie produzieren Text und füllen damit das berüchtigte „Leere Blatt“. Hinterher ist es leichter, bestehenden Text zu überarbeiten als neuen Text zu produzieren.
Halten Sie sich an dieser Stelle nicht zu sehr an Formulierungen auf, wichtig ist, dass Sie später beim Überarbeiten wissen, was Sie sagen wollten. Wenn es Ihnen leicht fällt, sofort ganze zusammenhängende Sätze und Absätze zu schreiben, sollten Sie das natürlich tun. Aber wenn es einmal nicht so gut läuft, dann sind Stichworte, die Sie im Anschluss ausformulieren, an dieser Stelle genauso gut. Die Hauptsache ist, dass Sie Ihre Ideen auf Papier bringen.

Diese Vorgehensweise bedingt natürlich, dass Sie Ihre Rohfassung hinterher noch einmal gründlich überarbeiten. Die Überarbeitung des Textes sollte idealerweise in mehreren Durchläufen und unter verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen. Entsprechend ist es notwendig, dass Sie ausreichend Zeit für die einzelnen Überarbeitungsschritte einplanen.
Zunächst sollte der Text inhaltlich überprüft und angepasst werden. Hier ist es wichtig, inhaltliche Konsistenz und Kohärenz herzustellen, die Argumentationslinien zu prüfen und den roten Faden deutlich herauszuarbeiten. In dieser Phase sollten auch ggf. fehlende Übergänge  formuliert und eventuell weitere Zitate in den Text eingebunden werden. Danach folgt die sprachlich-stilistische Überarbeitung. Klingt Ihr Text zu umgangssprachlich? Haben Sie Fachtermini definiert und konsistent verwendet? Erst dann, d. h. ganz zum Schluss, wenn der eigentliche Text feststeht, werden in einem weiteren Durchgang die Formalia geprüft. Hierunter fallen z. B. Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung, aber auch die Konsistenz von Zitation und Literaturangaben. Auch sollte man jetzt Verweise, das Literaturverzeichnis und die Formatierung des Textes prüfen.

2 Quellen und weiterführende Literatur

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2017). Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. 5., aktualisierte Auflage. UTB-Band-Nr. 2334. Fredinand Schöningh, Paderborn.

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2015). Tipps und Tricks bei Schreibblockaden. UTB-Band-Nr. 4318. Fredinand Schöningh, Paderborn.

Scheuermann, Ulrike (2016): Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. 3., durchgesehene Auflage. Opladen und Toronto, Verlag Barbara Budrich.

Last edited: 07. Nën 2017, 14:17, [j.schmidt2]


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