Graduiertenakademie

Brotkrumen-Navigation

Symbol Wiki

WIKI GRADUIERTENAKADEMIE - WIKI GRADUATE ACADEMY

Informationen für Promovierende und Postdocs - Information for doctoral candidates & postdoctoral researchers

Reiter

Was bedeutet die Forschungsphase?

 English Version: What Is the Research Phase?

1 Wie gestaltet sich die Forschungsphase?

Die Forschungsphase umfasst die längste Arbeitsphase eines Promotionsprojekts. Abhängig von der Ausrichtung des Projekts dauert sie zwei bis zweieinhalb Jahre. In der Forschungsphase wird der in der Einstiegsphase erstellte Projektplan der Promotion umgesetzt. Je nach Projekt und Fachbereich werden Daten erhoben und ausgewertet oder Quellen gesichtet und interpretiert. Die Ergebnisse werden gesichert, dokumentiert und nach und nach verschriftlicht.

2 Weiterentwicklung des Projekts

Das in der Einstiegsphase formulierte Thema des Promotionsprojektes gilt es während der Forschungsphase immer im Blick zu behalten. Ziel der Forschungsphase ist die Beantwortung der daraus abgeleiteten konkreten Forschungsfragen. Forschungsfragen spezifizieren, was genau mit der Dissertation herausgefunden werden soll. Sie stellen die Kohärenz des Projektes und die Konzentration auf das Wesentliche bei der Untersuchung des Forschungsgegenstandes sicher.
Bei der Umsetzung des Projektplans wird in der Regel deutlich, dass dieser stellenweise angepasst und weiterentwickelt werden muss. Dies kann z.B. von der Verfügbarkeit oder Ergiebigkeit von Quellen oder von der Effektivität einer bestimmten Methode bei der Datenerhebung abhängig sein. In manchen Fällen legt die Auswertung vorhandener Forschungsliteratur eine Anpassung der Fragestellung oder eine Eingrenzung des Forschungsgegenstandes nahe. Generell ist auch in der Forschungsphase eine weitere Eingrenzung des Themas sinnvoll, da der Forschungsgegenstand in der verfügbaren und oft knappen Zeit zufriedenstellend bearbeitet werden soll. Bei einer möglichen Ausweitung des Themas oder der Einbeziehung weiterer Quellen, die eine deutliche Anpassung des Zeitplans für die Dissertation erforderlich machen würden, muss immer die Gesamtdauer der Promotion berücksichtigt werden, die auch vor dem Hintergrund der vorhandenen Finanzierungsmöglichkeiten zu sehen ist. Bei möglichen Eingrenzungen oder Weiterentwicklungen des Themas ist die Abstimmung mit der Betreuerin bzw. dem Betreuer der Promotion unerlässlich.

3 Zeitmanagement während der Forschungsphase - die richtige Balance finden

In der Einstiegsphase der Promotion wird bereits ein Zeitplan für das gesamte Projekt erstellt. Dieser erfasst die geplanten Arbeitsschritte in der Regel in größeren Zeiteinheiten wie z.B. in Monaten oder Quartalen. Für eine möglichst effektive Umsetzung des Zeitplans in der Forschungsphase ist das Erstellen kleinschrittigerer Zeitpläne notwendig, die sich aus dem Zeitplan für das gesamte Projekt ableiten lassen.
Besonders in der Forschungsphase ist es für Promovierende eine große Herausforderung, verschiedene Verpflichtungen miteinander zu vereinbaren und zugleich ausreichend Zeit zur Bearbeitung der Dissertation zur Verfügung zu haben. Dabei spielen berufliche Verpflichtungen genauso eine Rolle wie private. Extern Promovierende haben oftmals berufliche Verpflichtungen, die die Zeit, die für die Dissertation zur Verfügung steht, stark einschränken. Auch Promovierende, die eine Stelle an der Universität haben, müssen die Arbeit am eigenen Projekt mit Verpflichtungen in der Lehre und der akademischen Selbstverwaltung in Einklang bringen. Nicht selten übernehmen sie auch Aufgaben, um die Forschung der/des jeweiligen Vorgesetzten zu unterstützen. Deshalb gilt es, Zeitfenster, die für die Arbeit an der Dissertation genutzt werden können, zu identifizieren. Dazu ist es hilfreich, zunächst eine Übersicht aller Aufgaben zu erstellen, die innerhalb einer Woche anfallen. Die Zeiten, in denen an der Dissertation gearbeitet werden soll, sollten als feste Termine in den Tages- und Wochenablauf eingeplant werden. Zu diesen Zeiten sollten möglichst keine E-Mails gelesen und beantwortet werden.
Weniger planbar sind oft familiäre Verpflichtungen etwa bei Promovierenden mit Kind. Hier bietet das Familienbüro der Universität Beratung zum Thema Vereinbarkeit für promovierende Eltern an.
Auch wenn angesichts vielfältiger Anforderungen und Verpflichtungen oft weniger Zeit zur Bearbeitung der Dissertation bleibt als gewünscht, empfiehlt sich eine kontinuierliche Arbeit am Projekt. Eine tägliche, wenn auch kürzere Beschäftigung mit dem Gegenstand ist effektiver als sehr intensive Phasen, die sich mit längeren Unterbrechungen der Arbeiten abwechseln.

4 Auswertung von Forschungsliteratur

Bereits in der Einstiegsphase erfolgt bei der Entwicklung des Themas eine erste Auswertung relevanter Forschungsliteratur, die in der Forschungsphase ausgeweitet und vertieft wird. Dies ist auch notwendig, um auf dem neuesten Stand der Forschung zu bleiben. Die Auswertung von Forschungsliteratur kann sehr zeitaufwändig sein und schnell das Gefühl vermitteln, viel Zeit zu investieren, ohne dass ein merklicher Ertrag spürbar wird. Um sich nicht im großen Angebot an Literatur zu verlieren und viel Zeit mit der Lektüre weniger relevanter Literatur zu verbringen, gilt es, eine eigene Systematik zur Literaturerfassung zu entwickeln und verschiedene Lesetechniken zu kennen und anzuwenden.
Um den Überblick über bereits erfasste und ausgewertete, oder eben noch nicht ausgewertete, Literatur zu behalten, ist bereits frühzeitig die Nutzung eines Literaturverwaltungsprogramms zu empfehlen. Programme wie Citavi oder EndNote ermöglichen auch die Verschlagwortung der erfassten Titel. Bei der Literaturrecherche empfiehlt es sich festzuhalten, zu welchen Begriffen bereits in welcher Datenbank bzw. welchen Bibliothekskatalogen recherchiert wurde.
Bei der Auswertung von Literatur kann gerade bei Titeln, bei denen nicht klar ist, ob eine ausführliche Lektüre nützlich ist, bereits ein grobes Überfliegen Aufschluss geben. Bei genauerer Lektüre von Literatur hilft die Formulierung eines Lektüre-Ziels bei der Fokussierung auf das Wesentliche. Ein Lektüre-Ziel kann z.B. sein, eine bestimmte Theorie nachvollziehen zu können. Auch konkrete Fragen, die beim Lesen beantwortet werden sollen, können die Konzentration fördern. Um neue Informationen zielgerichtet verarbeiten zu können, sollte möglichst vor der Lektüre klar sein, an welchen Aspekt der eigenen Arbeit der vorliegende Text anschließt.
Beim Anfertigen von Exzerpten sollten sorgfältig alle direkten Zitate gekennzeichnet und auch bei Paraphrasen die Seitenangaben festgehalten werden. So ist sichergestellt, dass direkte und indirekte Zitate nach den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis wiedergegeben werden und aufwändige Nachrecherchen entfallen.

5 Erhebung von Daten und/oder Sichtung von Quellen

Einen großen Teil der Arbeitszeit während der Forschungsphase nimmt die Sichtung und Interpretation von Quellen bzw. die Erhebung und Auswertung von Daten in Anspruch. Im Idealfall wurden bereits in der Einstiegsphase bestimmte Voraussetzungen hierfür geklärt und Schwierigkeiten antizipiert. So kann etwa ein Auslandsaufenthalt für Archivarbeiten oder Feldforschung notwendig sein. Sollte das Projekt eine Kooperation mit einer anderen Forschungseinrichtung erfordern (z.B. Laboraufenthalt zur Nutzung bestimmter Geräte) ist dies ebenfalls zu berücksichtigen und abzuklären. Um möglichst effektiv zu arbeiten, muss frühzeitig ein eigenes System zur Sicherung von Daten und ersten Ergebnissen entwickelt werden. Dies kann über Dateien mit Exzerpten oder Tabellen bzw. ebenfalls über Literaturverwaltungsprogramme erfolgen.
Bei Projekten mit empirischen Komponenten ist ggf. das Führen eines Laborbuchs durch die Fakultät vorgeschrieben und in jedem Fall zu empfehlen. Dort werden sowohl der Forschungsprozess als auch die Ergebnisse festgehalten. Laut Denkschrift Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) müssen Primärdaten mindestens 10 Jahre lang in der Institution aufbewahrt werden, in der sie entstanden sind.

6 Schreiben als Prozess

Der Schreibaufwand während der Forschungsphase einer Promotion variiert stark und hängt von der jeweiligen Fachdisziplin und der methodischen Herangehensweise ab. Tendenziell ist er bei geisteswissenschaftlichen Promotionsprojekten und bei Projekten, die textbasiert und theoriegeleitet arbeiten, höher, als bei Arbeiten in den Naturwissenschaften bzw. bei empirischen Projekten. Auch wenn es in einigen Fachbereichen üblich ist, erst recht spät in den Schreibprozess überzugehen und die Ergebnisse nach Abschluss der Datenerhebung und -auswertung „zusammenzuschreiben“, empfiehlt es sich, frühzeitig und parallel zur Erhebung erster Ergebnisse, mit dem Schreiben zu beginnen. Es besteht sonst die Gefahr, dass der Einstieg in den Schreibprozess als zu große Hürde empfunden und dadurch zu lange hinausgezögert wird.
Schreiben sollte als kontinuierlicher Prozess verstanden werden, währenddessen sich ein Text stetig weiterentwickelt. Dadurch kann dem eigenen Anspruch, gleich einen perfekten Text zu verfassen, entgegengewirkt werden. Grundsätzlich gibt es aber nicht nur einen Weg, den Schreibprozess zu gestalten, sondern vielmehr eine Vielzahl an Herangehensweisen, die auch von der persönlichen Präferenz abhängen.
Bevor man mit dem Schreiben beginnt, kann es hilfreich sein, das gesammelte Material zu strukturieren. So werden beispielsweise die Punkte, die in einem Kapitel oder Unterkapitel behandelt werden sollen, anhand einer Skizze „geclustert“, d.h. in einer einfachen, graphischen Darstellung werden zusammengehörende Aspekte, von einem zentralen Thema oder Begriff ausgehend, gruppiert.
Für manche Promovierenden kann es sinnvoll sein, zunächst einen Rohtext zu verfassen, der die wesentlichen Aussagen beinhaltet, bei dem es aber noch nicht auf sprachliche Feinheiten ankommt. Erst in einem zweiten Schritt wird der Rohtext inhaltlich, strukturell und sprachlich überarbeitet. Dabei werden neben der anschaulichen Darstellung aller relevanten Inhalte auch die Strukturierung der Argumentation und stilistische Merkmale, wie häufige Wiederholungen oder das Verwenden von Füllwörtern, überprüft.
Selbstverständlich wird bei wissenschaftlichen Texten erwartet, dass die jeweils fachspezifische Terminologie berücksichtigt wird. Dennoch sollte auf einen für den Leser verständlichen Stil geachtet werden. Für die Überarbeitung der ersten Textfassung sollte genügend Zeit eingeplant werden. Oft nimmt sie genauso viel Zeit wie das Verfassen des Rohtextes in Anspruch. Weitere Korrekturdurchläufe, auch das Gegenlesen durch weitere Personen, müssen ebenfalls einkalkuliert werden.
QUELLEN

Becker, Julia. Das Einmaleins der Promotion. Die Promotionsfibel 2016. Hamburg: academics, 2016.

Knigge-Illner, Helga. Der Weg zum Doktortitel. Strategisch für die erfolgreiche Promotion. Frankfurt: Campus, 2002.

Nünning, Ansgar und Roy Sommer (Hrsg.). Handbuch Promotion. Forschung – Förderung – Finanzierung. Stuttgart: Metzler, 2007.

Vurgun, Sibel (Hrsg.). Kompetenzen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern. Entwicklung eines Kompetenzmodells. UniWiND, 2016.

Wolfsberger, Judith. Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Wien: Böhlau, 2007.

Zuletzt geändert: 09. Okt 2017, 13:36, [v.becker]


Suche (Block)

Wiki-Funktionen (Block)

Info

Letzte Änderungen