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Mündliche Prüfung: Disputation/Promotionskolloquium/Rigorosum

1 Was bedeutet die mündliche Promotionsprüfung?

Nach der Begutachtung, der Annahme und der Auslage der Dissertation findet zum Abschluss der Promotion eine mündliche Prüfung statt, die von der Prüfungskommission durchgeführt wird. Der Termin für die mündliche Prüfung kann vorgegeben oder mit der Doktorandin oder dem Doktoranden vereinbart sein. In dieser Prüfung sollen die Promotionsstudierenden zeigen, dass sie über vertiefte Fachkenntnisse und die nötige wissenschaftliche Befähigung verfügen. In der Regel soll die Doktorandin oder der Doktorand die Methoden und Ergebnisse der eigenen Forschungsarbeit vorstellen und anschließend in einer Diskussion gegenüber möglicher Kritik der Gutachterinnen und Gutachter sowie der weiteren Mitglieder der Prüfungskommission verteidigen. Auch angrenzende Themen, die über das Thema der Dissertation hinausgehen, können Teil der mündlichen Prüfung sein. Als Prüfungsformen gibt es die Disputation, das Rigorosum und das Promotionskolloquium. Welche Prüfungsform auf die einzelnen Fächer zutrifft sowie weitere Regelungen zur mündlichen Prüfung sind in der jeweiligen Promotionsordnung der einzelnen Fakultäten nachzulesen.
TIPP

Es ist wichtig, die Regelungen der mündlichen Prüfung in der jeweiligen Promotionsordnung nachzulesen, da sich diese von Fakultät zu Fakultät unterscheiden. In der Promotionsordnung sind beispielsweise folgende Punkte festgelegt:
  • Die Form der mündlichen Prüfung: Disputation, Rigorosum oder Kolloquium
  • Wer zur Prüfungsabnahme berechtigt ist und wie sich die Prüfungskommission zusammensetzt: Die Prüfungskommission besteht in der Regel aus drei bis fünf habilitierten Mitgliedern der Universität. Die Doktorandin oder der Doktorand kann zumeist Vorschläge über die Zusammensetzung der Kommission machen
  • Den Zeitraum zwischen Annahme der Dissertation bis zur mündlichen Prüfung
  • Wie lange die Gutachten vor der mündlichen Prüfung vorliegen müssen
  • Aus welchen Teilen sich die Prüfung zusammensetzt: Die Prüfung kann sich beispielsweise aus einem Vortrag der Doktorandin oder des Doktoranden und einem Diskussionsteil zusammensetzen
  • Die Dauer der Prüfung und ihrer einzelnen Teile: Die gesamte Prüfungsdauer variiert in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten
  • Auf welcher Sprache die Prüfung stattfinden soll: Im Regelfall findet die Prüfung auf Deutsch statt; manche Prüfungsordnungen erlauben auch, die Prüfung auf Englisch abzuhalten
  • Die Bewertung der mündlichen Prüfungund die Zusammensetzung der Gesamtnote
  • Wer zuschauen darf: die Prüfung kann öffentlich, hochschulöffentlich oder geschlossen sein

2 Welche Formen der mündlichen Prüfung gibt es?

Es gibt drei Formen der mündlichen Prüfung: die Disputation, das Promotionskolloquium und das Rigorosum. Jedoch gibt es auch innerhalb dieser Formen Variationen. Daher müssen die genauen Anforderungen sowie der genaue Ablauf der Prüfung der jeweiligen Promotionsordnung entnommen werden. Die häufigste Form der mündlichen Promotionsprüfung ist die Disputation.

1) Die Disputation (lat. disputatio: Erörterung, Unterredung, Streitgespräch)

Die Disputation besteht in der Regel aus einem Vortrag der Doktorandin oder des Doktoranden über den wesentlichen Inhalt der Dissertation und aus der anschließenden Befragung durch die Prüfungskommission, bei der die Doktorandin oder der Doktorand seine Arbeit gegenüber Einwänden und Kritik verteidigt. Zudem kann die Prüfungskommission auch Fragen zu angrenzenden Themen aus dem Promotionsfach stellen. Die Disputation ist meistens hochschulöffentlich.

2) Das Promotionskolloquium (lat. colloquium: Unterredung, Gespräch)

Auch im Promotionskolloquium wird in der Regel ein kurzer Vortrag über die Dissertation gehalten und anschließend in einem Prüfungsgespräch erörtert. Im zweiten Teil des Kolloquiums werden angrenzende und allgemeine Themen des Promotionsfaches diskutiert, die vom Promotionsthema deutlich abweichen. Ein vorher abgesprochenes Schwerpunktthema kann dabei den Ausgangspunkt der Diskussion darstellen. Auch kommt es vor, dass die oder der Geprüfte einen kurzen Vortrag zu diesem Thema halten soll, bevor darüber diskutiert wird.

3) Das Rigorosum (lat. examen rigorosum: strenge Prüfung)

Das Rigorosum besteht in der Regel aus einem Fachgespräch, in dem das Wissen unter Beweis gestellt werden soll, das während des Studiums und der Promotion erworben wurde. Das Themengebiet geht somit weit über das Dissertationsthema hinaus. Meistens besteht die Möglichkeit, die konkreten Schwerpunktthemen einzugrenzen und im Voraus mit den Prüferinnen und Prüfern abzustimmen. Diese Form der mündlichen Prüfung findet in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

3 Wie bereite ich die mündliche Prüfung vor?

Es ist wichtig, bei der Vorbereitung der Prüfung den Kontakt zu den Prüferinnen und Prüfern zu suchen und diese nach thematischen Schwerpunkten und dem Prüfungsablauf zu fragen. Machen Sie sich ein Bild über die Mitglieder ihrer Prüfungskommission: Was sind die Interessensschwerpunkte und aktuellen Forschungsgebiete der Prüferinnen und Prüfer? Welchen Zugang haben die einzelnen Prüferinnen und Prüfer zu Ihrem Dissertationsthema? Gibt es Schnittmengen der Beteiligten oder mögliche Konfliktfelder?

Hilfreich ist auch, sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen, die die Prüfung bereits abgelegt haben. Auch die Möglichkeit, bei anderen mündlichen Promotionsprüfungen zuzuschauen, bietet eine gute Vorbereitung für die eigene Prüfung.

Ein wichtiger Bestandteil der inhaltlichen Vorbereitung ist, sich mit den Kommentaren der Gutachterinnen und Gutachter zur Dissertation auseinanderzusetzen. In der Prüfung selbst ist es zeitlich meist nicht möglich, auf alle Kommentare einzugehen, daher sollte man sich gezielt auf bestimmte Kommentare beschränken. Es bietet sich an, nach Überschneidungen zwischen den einzelnen Gutachterinnen und Gutachtern zu schauen und die Kommentare zu systematisieren, beispielweise nach Kommentaren zur Methodik, zur Theorie und zur Argumentation. Sollten Kommentare der Gutachterinnen und Gutachter unklar sein, sollte man bei diesen nachfragen.

Im Folgenden werden Hinweise zur Vorbereitung auf den Vortragsteil und den Diskussionsteil der Prüfung gegeben.

3.1 Vorbereitung auf den Vortragsteil der Prüfung

Folgende Fragen sind bei der Vorbereitung des Vortrags hilfreich:
  • Welche konkreten Ziele wollen Sie mit dem Vortrag erreichen?
  • Was sind die Kernaussagen, die Sie vermitteln möchten und auf welche Erkenntnisse möchten Sie besonders aufmerksam machen?
  • Welche Meinung wollen Sie vertreten und welche Positionen wollen Sie infrage stellen?
  • Wie können Sie Ihre Argumente sinnvoll strukturieren und Zusammenhänge zwischen einzelnen Argumenten und Erkenntnissen verdeutlichen?
Mit einem lebendigen Einstieg können Sie das Interesse der Prüferinnen und Prüfer wecken oder sogar Erstaunen auslösen. Im Mittelteil ist besonders auf eine logische und gut strukturierte Argumentation zu achten. Im Schlussteil können Sie dann die wesentlichen Punkte nochmals prägnant zusammenfassen und einen Ausblick geben. Während des Vortrags können Sie gezielt auf Punkte verweisen, die im Diskussionsteil aufgegriffen werden können. Dies eröffnet die Möglichkeit, den Verlauf der Prüfung mitzugestalten.
Es wichtig, den Vortrag gut zu üben, da man durch Übung an Sicherheit gewinnt und die Dauer des Vortrags besser einschätzen kann. Zudem kann man beispielsweise vor Kolleginnen und Kollegen oder im Doktorandenkolloquium einen Probevortrag halten. Fragen und Rückmeldungen eines kritischen Publikums zeigen, ob noch Veränderungsbedarf am Vortrag besteht.
Der Einsatz von Medien, wie beispielsweise einer PowerPoint Präsentation, eignet sich gut, um die Zuschauerinnen und Zuschauer auf bestimmte Erkenntnisse aufmerksam zu machen und beispielsweise durch Abbildungen auch komplizierte Zusammenhänge zu veranschaulichen. Medien sollten gezielt eingesetzt werden, wo sie zum Verständnis beitragen können. Bereiten Sie den Einsatz von Medien unbedingt sorgfältig vor und prüfen Sie im Voraus, ob die Technik funktioniert, falls Sie beispielsweise einen Beamer und einen Laptop verwenden.
TIPPS
  • Achten Sie darauf, Ihre Sätze in verständlicher Sprache zu formulieren und vermeiden Sie komplexe, verschachtelte Satzkonstruktionen.
  • Verwenden Sie die Ich-Form wie beispielsweise „In meiner Dissertation habe ich untersucht…“ und vermeiden Sie Passivkonstruktionen wie beispielsweise „In der Dissertation wurde untersucht…“
  • Sprechen Sie möglichst frei und nicht zu schnell.
  • Stellen Sie Blickkontakt zum Publikum her.
TIPP: GRADUIERTENAKADEMIE

Im DOCTORAL RESEARCHER DEVELOPMENT PROGRAM der Graduiertenakademie werden im Qualifizierungsbereich "Wissenschaft und Verantwortung" Kurse angeboten, die sich mit wissenschaftlichen Vorträgen befassen (z.B. „Convincing Scientific Presentations“).

3.2 Vorbereitung auf den Diskussionsteil der Prüfung

Im Diskussionsteil stellen Sie sich den Fragen der Mitglieder der Prüfungskommission und im Falle einer öffentlichen Prüfung auch möglicherweise Fragen des Publikums. Versuchen Sie, die Fragen präzise zu verstehen und nehmen Sie sich Zeit, sie eingehend zu beantworten. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie die Frage richtig verstanden haben, können Sie Rückfragen stellen. In mündlichen Prüfungen ist es wichtig, im Gesprächsfluss zu bleiben und auch selbst die Initiative zu ergreifen.

Zumeist herrscht in der mündlichen Prüfung eine angenehme Atmosphäre. Es kann jedoch auch zu schwierigen Situationen kommen, beispielsweise, wenn sich Prüferinnen und Prüfer untereinander nicht einig sind und die Diskussion dadurch aus dem Ruder läuft. In solchen Fällen können Sie aktiv intervenieren, indem Sie beispielweise einen Themenwechsel vorschlagen.

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann man am Ende der Diskussion die Fragerunde kurz zusammenfassen.
In der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung ist eine Probediskussion mit Kolleginnen und Kollegen hilfreich, in der man üben kann, auf Fragen rund um das Promotions- bzw. Prüfungsthema zu reagieren.
TIPPS
  • Machen Sie sich bei umfassenden oder komplexen Fragen Notizen.
  • Argumentieren Sie stets von Ihrer Meinung aus und stehen Sie zu Ihren Aussagen. Formulierungen im Passiv sollten Sie daher vermeiden.
  • Argumentieren Sie immer auf einer sachlichen Ebene.
  • Wenn Sie eine Frage nicht beantworten können, lenken Sie Ihre Antwort auf einen Teilaspekt der Frage oder einen Aspekt, der mit der Frage in Verbindung steht. Dadurch können Sie eine Brücke zu einem Thema schlagen, bei dem Sie sich sicher sind.
TIPP: GRADUIERTENAKADEMIE
 
Im DOCTORAL RESEARCHER DEVELOPMENT PROGRAM der Graduiertenakademie werden im Qualifizierungsbereich "Wissenschaft und Verantwortung" Kurse angeboten, die sich mit der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung befassen (z.B. „Meilenstein Disputation – Sicher und souverän verteidigen“ oder „VIVA TOOLKIT – Preparing for the PhD defense“).

4 Bewertung und Notengebung

Unmittelbar nach der Prüfung findet unter Ausschluss der Doktorandin oder des Doktoranden und der möglichen Zuschauerinnen und Zuschauer eine Beratung der Prüfungskommission über die Note statt. Das Ergebnis und die Gesamtnote der Promotion wird der Doktorandin oder dem Doktoranden anschließend mitgeteilt. Für die Gesamtnote wird die Dissertation stärker gewichtet als die mündliche Prüfung. In der Regel wird die Dissertation doppelt gewertet und die mündliche Prüfung einfach, jedoch gibt es auch hier Unterschiede zwischen den Promotionsordnungen der einzelnen Fakultäten. Wird die mündliche Prüfung nicht bestanden, kann sie in einem vorgegebenen Zeitraum einmal wiederholt werden. Wird die Wiederholungsprüfung nicht bestanden, gilt das Promotionsverfahren als erfolglos beendet.

Die Notenskala ergibt sich wie folgt:
  • summa cum laude: ausgezeichnet
  • magna cum laude: sehr gut
  • cum laude: gut
  • rite: genügend
  • non rite bwz. non sufficit: ungenügend
An der juristischen Fakultät der Universität Tübingen gibt es zudem die Note satis bene (befriedigend).

Die numerischen Entsprechungen der Noten unterscheiden sich in den Promotionsordnungen der einzelnen Fakultäten. Beispielsweise kann summa cum laude einer Note von 0,0 bis 0,5 oder aber von 0,0 bis 0,3 oder von 0,0 bis 0,1 entsprechen.

Nach Bestehen der mündlichen Prüfung darf der Doktortitel noch nicht geführt werden. Erst die Veröffentlichung der Dissertation berechtigt dazu, den Doktortitel zu tragen.

5 Prüfungsangst

Es ist völlig normal, vor der mündlichen Prüfung aufgeregt zu sein. Auch wenn Lampenfieber als unangenehm empfunden wird, hat es doch einen positiven Effekt: das Adrenalin bringt Sie auf Hochtouren und steigert die Konzentration. Machen Sie sich bewusst, dass sie durch die jahrelange Auseinandersetzung mit Ihrem Thema Spezialistin oder Spezialist auf dem Gebiet geworden sind und somit der Prüfung mit einer positiven Grundeinstellung entgegensehen können. Die sorgfältige Vorbereitung auf die einzelnen Prüfungsteile und das Üben des Vortrags kann Ihnen weiteres Selbstvertrauen geben.
TIPP
Achten Sie auf Ihre Atmung und führen Sie vor der Prüfung ein paar Atemübungen durch. Häufig führt Aufregung zu Kurzatmigkeit, welcher Sie durch tiefe Einatmung und lange Ausatmung entgegenwirken können. Dadurch wird auch der Herzschlag ruhiger.
QUELLEN

Becker, J. (2015). Das Einmaleins der Promotion. Hamburg: academics GmbH.
 
Knigge-Illner, H. (2002). Der Weg zum Doktortitel. Frankfurt/New York: Campus Verlag.
 
Stock, S., Schneider, P., Peper, E. & Molitor, E. (Hrsg.) 2014. Erfolgreich promovieren. Ein Ratgeber von Promovierten für Promovierende. (3. Auflage). Berlin/Heidelberg: Springer Gabler.

WEITERE QUELLEN

Die Promotionsordnungen der einzelnen Fakultäten der Universität Tübingen.

Zuletzt geändert: 28. Mai 2018, 15:58, Nicht freigegeben


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