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Schreibhemmungen, Schreibprobleme, Schreibblockaden

English Version: Writer‘s Block
Weiterführende Informationen sind in Kürze verfügbar. 
Schreibhemmungen und Schreibprobleme erleben irgendwann alle, die regelmäßig Texte zu Papier bringen. Sie können in jeder Phase des Schreibens auftreten, haben die unterschiedlichsten Ursachen und äußern sich in allen möglichen Formen von Vermeidungsstrategien, der sogenannten Aufschieberitis oder Prokrastination. Die Wohnung glänzt, die neue Staffel der Lieblingsserie ist innerhalb von drei Tagen komplett gesehen und eigentlich ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um mit dem Marathonlaufen zu beginnen. Und wenn es tatsächlich keine andere Ausrede mehr gibt – dann wird schnell ein Tee gemacht und die E-Mails werden gecheckt… Alles, nur um nicht an den Schreibtisch zu müssen und auf den leeren Bildschirm zu starren.
Aber woher kommen diese Hemmungen, die sich in ernsteren Fällen zu verfestigten Schreibproblemen bis hin zu einer regelrechten Schreibblockade auswachsen können?
Schreiben, insbesondere das wissenschaftliche Schreiben, ist ein sehr komplexer und damit für die oder den Schreibenden ein sehr fordernder Prozess. Dies ist etwas, was gerade im (deutschen) wissenschaftlichen Kontext selten thematisiert wird. Zwar wächst seit einiger Zeit das Bewusstsein dafür, dass wissenschaftliche Schreibkompetenz erlernt werden muss (und kann), es gibt Schreibzentren, wie das Diversitätsorientierte Schreibzentrum der Universität Tübingen, die Beratungen und Workshops zum wissenschaftlichen Schreiben für Studierende und teils auch Promovierende anbieten. Dennoch herrscht immer noch eine Kultur vor, in der von Studierenden und Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern erwartet wird, dass sie einfach schreiben können, und zwar jede (wissenschaftliche) Textsorte in jedem Kontext und nach Möglichkeit auch auf Englisch.
Dies führt dazu, dass Schreibprobleme nicht angesprochen werden und Schreibende sich häufig alleine fühlen (s. Püschel 2006: 1). Probleme mit dem Schreiben werden dann als persönliche Defizite wahrgenommen, die Schreibenden glauben, sie seien nicht gut genug und hätten nicht ausreichend Disziplin. Dies kann zu Versagensängsten, Resignation und Gefühlen des Ausgeschlossenseins führen (s. Püschel 2006: 3). Hier ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Schreibhemmungen jede und jeden treffen können. Schreibende können aber Strategien entwickeln, um diese Schreibhemmungen zu überwinden.

1 Ursachen

Ursachen für Schreibhemmungen liegen selten in der Schreibaufgabe selber begründet, z. B. dem Verfassen einer Dissertation oder eines wissenschaftlichen Artikels, auch wenn es anspruchsvoll ist, derartige Texte zu verfassen. Aber nur in den wenigsten Fällen sind die Schreibenden per se nicht in der Lage, eine solche Schreibaufgabe zu erledigen, zumal i. d. R. alle, die eine Doktorarbeit schreiben, bereits erfolgreich eine Master- oder Magisterarbeit und in den meisten Fällen auch eine Bachelorarbeit verfasst haben. Natürlich unterscheidet eine Doktorarbeit sich in Inhalt, Umfang und Anspruch deutlich von einer Masterarbeit. Dennoch kann vor diesem Hintergrund das Schreiben an sich nicht das Problem sein.
Ein wesentlicher Aspekt, der zu Schreibproblemen führen kann ist fehlende Planung. Viele Promovierende sehen nur das große Ganze vor sich, anstatt ihre Arbeit in mehrere kleine Teilschritte zu gliedern. Sie nehmen dann beispielsweise nur wahr, dass sie den Theorieteil ihrer Arbeit schreiben wollen. Das ist ein großer Berg Arbeit, der auf den ersten Blick abschreckend und unüberwindbar wirkt, so dass viele Schreibende schon entmutigt sind, bevor sie richtig angefangen haben.
Ein weiterer Grund, das Schreiben zu vermeiden, können die eigenen hohen Erwartungen an sich selbst und den eigenen Text sein. Viele Schreibende versuchen, beim Schreiben alles auf einmal im Blick zu haben und sofort einen perfekten Text zu produzieren. Sie verheddern sich in Formulierungen, Argumenten und Formalien, statt sich zunächst in einer Rohfassung ihres Textes auf die Inhalte ihrer Arbeit zu konzentrieren. Andere haben den Anspruch, mit ihrer Doktorarbeit den ultimativen Text zu ihrem Thema zu verfassen und blockieren sich mit diesem Anspruch selbst. 
Gelegentlich liegt einer Schreibhemmung auch eine mehr oder weniger diffuse Angst zugrunde. Dies kann z. B. die Angst vor der Aufgabe an sich sein, vor ihrem Umfang, davor, zu wenig zu schreiben, nicht das Richtige zu schreiben oder nicht in der gegebenen Zeit fertig zu werden. Für einige Promovierende ist auch die Unsicherheit, was nach der Promotion kommt und ob sie einen passenden Job finden, Auslöser dafür, dass sie den Abschluss ihrer Promotion immer weiter aufschieben. Weiterhin spielt häufig die Angst vor Kritik mit hinein: Was sagt die Betreuerin oder der Betreuer zu dem Text, was steht in den Gutachten, was, wenn der Text bei der Zeitschrift nicht angenommen wird? Befürchtungen dieser Art sind während einer Promotion nicht ungewöhnlich und die meisten Promovierenden können diese Gedanken relativ problemlos selber überwinden, z. B. indem sie sich mit anderen Promovierenden austauschen oder ihren Arbeitsprozess besser strukturieren (s. u.). Falls das nicht helfen sollte, könnte eine Schreibberatung im Diversitätsorientierten Schreibzentrum der richtige Weg sein. In sehr schwerwiegenden Fällen können sich (eingeschriebene) Promovierende an die Psychotherapeutische Beratungsstelle des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim (PBS) wenden. 

2 Hilfe und Lösungsansätze

Was können Schreibende tun, um wieder in den Schreibfluss zu kommen? Zunächst sollte der Auslöser für die Schreibhemmungen identifiziert werden. Wenn Schreibende beispielsweise von der Größe und dem Umfang einer Doktorarbeit entmutigt werden, kann es helfen, einen Zeit- und Arbeitsplan zu erstellen, in dem das Schreiben in mehrere kleine Teilaufgaben und Meilensteine aufgeteilt wird. Dies macht die Arbeit greifbar und das Erreichen von Teilzielen und Meilensteinen führt zu regelmäßigen Erfolgsergebnissen. Dabei sollten auch immer Pausen und Regenerationszeiten mit eingeplant werden.
Schreibende, die zu übermäßigem Perfektionismus neigen und sofort einen fertigen Text produzieren wollen, profitieren häufig von Schreibtechniken, mit denen sie sich zunächst stärker auf die inhaltlichen Aspekte ihres Textes konzentrieren können, während der innere Kritiker bewusst ausgeschaltet wird. Falls Sie auch zu diesem Schreibtyp gehören, kann Ihnen vielleicht das Freewriting helfen. Bei dieser Technik schreiben Sie in einem bestimmten Zeitrahmen alles auf, was Ihnen einfällt. Dabei achten Sie weder auf Formulierungen, Zusammenhänge oder Formalitäten. Beim Freewriting können Sie sich also ganz auf sich selbst und das, was Sie sagen möchten, konzentrieren, ohne dabei schon an Ihre möglichen Leser und deren Ansprüche zu denken. So kommen sie schnell in einen Schreibfluss.
Hilfe bei Schreibproblemen bieten auch die Veranstaltungen der Graduiertenakademie. Hier lernen Sie nicht nur weitere Techniken kennen, um wieder in den Schreibfluss zu kommen, um Inhalte und Gedanken zu ordnen oder um das Schreiben zu planen, sondern Sie treffen auch andere Schreibende, die ähnliche Probleme haben wie Sie selbst. Das Diversitätsorientierte Schreibzentrum bietet darüber hinaus auch Einzelberatungen bei Fragen rund um das wissenschaftliche Schreiben an.
Weiterhin kann die Isolation des Schreibens durch Schreibgruppen aufgebrochen werden. Diese können sich beispielsweise, aus dem Freundes- oder dem Kollegenkreis bilden oder sich im Anschluss an einen Workshop zusammenfinden. Die Mitglieder können sich regelmäßig zum gemeinsamen Schreiben treffen oder auch nur, um über ihren Schreibprozess zu reden. Eine weitere gute Möglichkeit, Gleichgesinnte zum gemeinsamen Schreiben zu treffen, ist der Schreibtreff des Doktorandenkonvents der Philosophischen Fakultät, der auch für Promovierende anderer Fakultäten geöffnet ist.
Der Vorteil von Workshops und Schreibgruppen ist neben dem Networking und dem Erweitern der Schreibkompetenzen vor allem, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren, dass sie nicht alleine sind mit ihren Schreibhemmungen. Dadurch wird deutlich, dass diese nicht Ausdruck eines persönlichen Defizits sind, sondern dass sie – zumindest in einem gewissen Maß – zum Alltag einer Wissenschaftlerin oder eines Wissenschaftlers dazugehören. Dennoch gibt es viele Mittel und Wege, die Freude am Schreiben zu erhalten oder, wenn sie denn abhandengekommen ist, sie wieder zu entdecken.
 

3 Quellen und weiterführende Literatur

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2015). Tipps und Tricks bei Schreibblockaden. UTB-Band-Nr. 4318. Fredinand Schöningh, Paderborn.

Püschel, Edith (2006). Der Circulus vitiosus von Schreibhemmungen. Vortrag gehalten auf der Interdisziplinären Tagung ‚Das Unbewusste in der Praxis verschiedener Professionen’. http://www.fu-berlin.de/studium/docs/DOC/Vortrag_Circulus.pdf (letzter Zugriff 28.10.2017)

Last edited: 08. Жов 2018, 15:01, [j.schmidt2]


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