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Plagiat

English Version: Plagiarism

1 Was ist ein Plagiat?

Laut Verfahrensordnung der Universität Tübingen zum Umgang mit Fehlverhalten in der Wissenschaft handelt es sich bei einem Plagiat um eine "Verletzung geistigen Eigentums [...] durch unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorschaft" von
  • urheberrechtlichen Werken, die von anderen geschaffen wurden
  • wesentlicher wissenschaftlicher Erkenntnis, Hypothesen, Lehre oder Forschungsansätzen, die von anderen stammen
Ein Plagiat wird als wissenschaftliches Fehlverhalten eingestuft (vgl. §1 (2)).
Wichtig ist, dass es bei Plagiaten nicht nur um das wörtliche Abschreiben ohne Kenntlichmachung des Zitates und Nennung der Quelle oder um die Übernahme bzw. das Paraphrasieren einer Idee anderer geht. Dies sind nur zwei Formen des Plagiats, die als "Textplagiat" bzw. "Ideenplagiat" bezeichnet werden können. Um ein Plagiat handelt es sich z.B. auch dann, wenn ein Text aus einer Sprache in eine andere übersetzt wird, dies aber nicht kenntlich gemacht wird und die jeweilige Quelle unterschlagen wird.

2 Wie zitiere ich richtig?

Allgemein kann festgehalten werden, dass in wissenschaftlichen Texten für die Leserin/den Leser immer nachvollziehbar sein muss, von wem bestimmte Inhalte stammen, also ob sie von der Autorin/dem Autor selbst stammen oder eben nicht. Das gilt für wörtlich übernommene, paraphrasierte oder übersetzte Inhalte und Ideen. Der Bezug auf Andere muss transparent und nachvollziehbar sein, sodass der eigene Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion klarer kenntlich gemacht werden kann. Es ist daher nicht ausreichend, Quellen nur im Literaturverzeichnis zu nennen. Weiterhin nicht ausreichend ist es:
  • auf ganze Aufsätze oder Monographien zu verweisen, wenn der übernommene Inhalt auf mehreren Seiten zu finden ist; in solchen Fällen muss auf konkrete Seiten verwiesen werden, damit die Leserin/der Leser die besagten Inhalte in der Quelle lokalisieren kann; Verweise auf komplette Werke sind dann möglich, wenn Inhalte nicht direkt oder indirekt übernommen werden, sondern der Leserin/dem Leser die Quelle nur als weiterführende Literatur empfohlen wird
  • darauf hinzuweisen, dass im Folgenden Inhalte aus einem Werk entnommen sind, diese Inhalte aber nicht zu kennzeichnen, d.h. direkte Zitate müssen in Anführungszeichen gesetzt werden und für indirekte Zitate müssen spezifische Seiten referenziert werden
  • Darstellungen von fachspezifischem Allgemeinwissen nur mit leichten Änderungen aus einer Quelle zu übernehmen, um Zeit zu sparen; fachspezifisches Allgemeinwissen ist nur dann nicht zu zitieren, wenn es komplett selbst dargestellt wird
Ein Blick in die Rechtsprechung der vergangenen Jahre zeigt, dass immer dann von einem Plagiat ausgegangen wird, wenn (trotz Angaben von Quellen) nicht ersichtlich ist, dass bestimmte Inhalte nicht von der Autorin/vom Autor stammen.
Für die Arbeit an einer Dissertation ist also bereits bei der Literaturauswertung Sorgfalt angebracht. Direkte Zitate sollten als solche gleich mit Seitenangaben festgehalten werden und auch bei Paraphrasen sollte jeweils die genaue Quellen- oder Seitenangabe erfasst werden, damit später keine aufwändigen Nachrecherchen nötig sind.
Bei Einreichung der Dissertationsschrift ist eine Erklärung darüber abzugeben, dass alle verwendeten Quellen kenntlich gemacht und benannt sind. Die genauen Vorgaben hierzu finden sich in der jeweiligen Promotionsordnung.
TIPP
Im Doctoral Researcher Development Program bietet die Graduiertenakademie regelmäßig Veranstaltungen zum Thema "Gute wissenschaftliche Praxis" für verschiedene Fachbereiche an, in denen auch das Thema "Plagiat" behandelt wird.

3 Eigenplagiat - gibt es das überhaupt?

Etwas schwieriger stellt sich die Situation bei sogenannten Eigenplagiaten dar. Kann es sich auch dann um ein Plagiat handeln, wenn Inhalte aus einer eigenen Publikation übernommen werden, ohne dass dies kenntlichgemacht oder die Quellen genannt werden? Um eine Verletzung des Urheberrechts handelt es sich dabei zumindest dann nicht, wenn man Alleinautorin bzw. Alleinautor der zitierten Publikation ist. Anders stellt es sich bei Koautorenschaften dar. Hier muss selbstverständlich immer korrekt zitiert werden, wenn es sich um den Beitrag anderer handelt. Auch bei Alleinautorschaften muss beachtet werden, dass keine Nutzungsrechte von Verlagen verletzt werden, bei denen die bereits erschienenen Publikationen veröffentlicht wurden.
Ein Grund, der oft angeführt wird, wenn es darum geht, ob eigene, bereits publizierte Inhalte kenntlich zu machen und zu referenzieren sind, ist, dass bei Nicht-Kenntlichmachung eine größere Produktivität vorgetäuscht wird. Publikationslisten und Lebensläufe lassen sich so mit Veröffentlichungen füllen, die mehr oder weniger die gleichen Inhalte mit (eventuell) nur leichten Veränderungen wiedergeben. Gemäß der Denkschrift Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der DFG sind Doppelpublikationen und sogenannte "Salamieveröffentlichungen", d.h. die Veröffentlichung des "least publishable unit", als Verstoß gegen Regeln guter wissenschaftlicher Praxis zu werten (vgl. Empfehlung 6).
Werden bereits publizierte Inhalte nicht kenntlich gemacht, kann dies auch die Leserin bzw. den Leser in die Irre führen, da so nicht erkennbar ist, dass es sich bei einigen Inhalten nicht um neue Erkenntnisse handelt. Die DFG Denkschrift hält daher fest, dass in wissenschaftlichen Publikationen nicht nur die Vorabeiten anderer vollständig nachgewiesen und zitiert werden müssen, sondern auch eigene Vorarbeiten (vgl. Empfehlung 11 und 12). Wurden Ergebnisse bereits an anderer Stelle veröffentlicht, sollten diese in jedem Fall kenntlich gemacht werden und auch nur dann wiederholt werden, wenn dies für das Verständnis nötig ist (vgl. Empfehlung 11 und 12). Im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis sollten also auch bei eigenen Inhalten angeben werden, ob und wenn ja wo diese bereits veröffentlicht wurden. Bei Einreichung einer Dissertationsschrift verlangen viele Fakultäten in der Promotionsordnung, dass eine Erklärung darüber abgegeben wird.
QUELLEN

Esposito, Anna C. und Ansgar Schäfer (2017). "Überblick über die Rechtsprechung zu Plagiaten in Hochschule und Wissenschaft", Hg. Projekt Refairenz.

Neposledy editováno: 06. XI. 2017, 09:34, [j.schmidt2]


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