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Datenmanagement

English Version: Data Management

1 Was versteht man unter Primärdaten?

Unter Primärdaten versteht man in der Forschung die Ergebnisse von Experimenten und Erhebungen sowie numerische Rechnungen (entweder als eigenständige Methode oder als Hilfsmethode zur Auswertung von Ergebnissen), wie sie in den empirisch arbeitenden Disziplinen üblich sind. Die Denkschrift Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) listet weiterhin als Daten auf:
  • Messergebnisse
  • Sammlungen
  • Studienerhebungen
  • Zellkulturen
  • Materialproben
  • Archäologische Funde
  • Fragebögen
Primärdaten bilden die Grundlage für wissenschaftliche Publikationen. Sie müssen sorgfältig dokumentiert und aufbewahrt werden.

2 Dokumentation von Forschungsdaten

Ergebnisse empirischer Forschung müssen reproduzierbar sein. Die Verfahrensordnung der Universität Tübingen zum Umgang mit Fehlverhalten in der Wissenschaft benennt dies als eine Maxime guter wissenschaftlicher Praxis, der die Mitglieder der Universität Tübingen verpflichtet sind (vgl. Präambel). Um Reproduzierbarkeit zu gewährleisten und im Zweifelsfall belegen zu können, dass bestimmte Arbeiten von einer bestimmten Person durchgeführt wurden, sind Daten und der Prozess, in dem sie gewonnen wurden, zu dokumentieren. Zudem ist es aus Sicht einer Arbeitsgruppe oder eines Projektes ökonomisch, bereits gewonnene Daten sicher zu archivieren, damit jederzeit darauf zurückgegriffen werden kann.
In der Regel haben Fakultäten, an denen überwiegend empirisch arbeitende Disziplinen angesiedelt sind, Regeln für die Dokumentation erlassen. Ist dies nicht der Fall, sollte das Thema zu Beginn einer Promotion zwischen Betreuerin/Betreuer und Promovierender/Promovierendem geklärt werden. Darüber hinaus sind je nach Art des Projektes ohnehin gesetzliche Regelungen zum Umgang mit Daten (z.B. Arzneimittelgesetz, Tierschutzgesetz oder Gentechnikgesetz) zu beachten.
Die Aufzeichnung von Daten kann etwa in einem Laborbuch erfolgen. Empfehlungen zum Führen eines Laborbuchs finden sich z.B. auf der Seite der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen.

3 Archivierung von Forschungsdaten

Zur Aufbewahrung von Forschungsdaten macht die Denkschrift Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) genaue Angaben: „Primärdaten als Grundlage für Veröffentlichungen sollen auf haltbaren und gesicherten Trägern in der Institution, wo sie entstanden sind, zehn Jahre lang aufbewahrt werden“ (Empfehlung 7). Laut DFG-Denkschrift ist das Verschwinden von Primärdaten ein Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis und rechtfertigt einen Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten oder zumindest grob fahrlässiges Verhalten. Lediglich für Daten (vgl. Liste oben), die nicht auf haltbaren und gesicherten Trägern aufbewahrt werden können, kann die jeweilige Einrichtung mit Begründung eine kürzere Aufbewahrungsdauer festlegen.
Die Aufbewahrung in der Institution, in der die Daten erhoben wurden, bedeutet nicht, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Daten erhoben haben und später die Institution wechseln, diese Daten nicht weiter nutzen dürfen. Um Konflikte zu vermeiden, sollten Zugangsrechte oder auch das Recht, beim Wechsel einer Institution Kopien anzufertigen, vorab geregelt werden. Nutzungsrechte für Daten stehen in der Regel denjenigen zu, die die Daten erhoben haben. Diese Nutzungsberechtigten entscheiden auch darüber, wer diese Daten außerdem nutzen darf. Dabei sind natürlich auch immer Datenschutzbestimmungen zu beachten.
Die Verfahrensordnung der Universität Tübingen überträgt den Fakultäten und Fachbereichen die Aufgabe, Regelungen zur Dokumentation und dauerhaften Aufbewahrung von Daten zu entwickeln.
>> Regelungen zur guten wissenschaftlichen Praxis der Medizinischen Fakultät

>> Reproducible Science and Research Integrity Policy von LEAD Graduate School & Research Network und dem Hector Institut für empirische Bildungsforschung
Zudem hat die Universität Leitlinien zum Forschungsdatenmanagement entwickelt. Das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum der Universität bietet über die Universitätsbibliothek Beratung zu Fragen der Forschungsdatenarchivierung an. In diesem Zusammenhang besteht auch die Möglichkeit zur Archivierung von Forschungsdaten über das Forschungsdatenportal. Das Forschungsdatenportal versteht sich als Open Access-Repositorium, d.h. Daten werden in der Regel online frei verfügbar gemacht und zum Download bereitgestellt. Die Nachnutzung wird über eine Creative-Commons Lizenz geregelt. Vorübergehende Beschränkungen des Zugriffs sind möglich, allerdings maximal für die Hälfte der gesamten vereinbarten Archivierungszeit. Die Daten sind dann für diese Zeit nur einem festgelegten Personenkreis zugänglich.
Dieser Ansatz trägt dem Konzept von Open Data Rechnung. Open Data bedeutet, dass die Primärdaten, die die Grundlage einer Publikation bilden, veröffentlicht werden und ohne Einschränkungen für die Nutzung zugänglich gemacht werden. Dies soll es anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglichen, die Ergebnisse zu reproduzieren. Die Urheberinnen bzw. Urheber der Daten sind dabei natürlich jeweils zu referenzieren bzw. die Quellen korrekt zu zitieren.

4 Wissenschaftliches Fehlverhalten im Umgang mit Daten

Bei wissenschaftlichem Fehlverhalten im Zusammenhang mit Daten handelt es sich meistens um Fälle von Falschangabe (vgl. Verfahrensordnung der Universität Tübingen § 1 (2)):
  • Daten werden komplett erfunden
  • Daten werden verfälscht z.B. indem Abbildungen manipuliert oder Ergebnisse, die nicht zur Hypothese passen, einfach weggelassen werden, ohne dies offen zu legen
Beim Umgang mit Daten kann Fehlverhalten auch in Form einer Beeinträchtigung der Forschungstätigkeit anderer auftreten, z.B. wenn Daten beseitigt werden und damit gegen gesetzliche oder fachspezifische Bestimmungen verstoßen wird (vgl. Verfahrensordnung der Universität Tübingen §1 (2)). Bereits die Mitwisserschaft um die Datenfälschung anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kann ein Fehlverhalten darstellen (vgl. Verfahrensordnung § 1 (3)).
TIPP
Im Bereich "Wissenschaft und Management" des Doctoral Researcher Development Program der Graduiertenakademie finden Sie regelmäßig Veranstaltungen zur guten wissenschaftlichen Praxis, die auch das Thema Datenmanagement behandeln.

Last edited: 03. Ноем 2017, 15:23, [bross]


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