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Gute wissenschaftliche Praxis

English Version: Good Scientific Practice

1 Was ist gute wissenschaftliche Praxis?

Gute Wissenschaft beruht auf Grundwerten wie Integrität, Transparenz und Ehrlichkeit. Diese Werte sind international anerkannt und unabhängig von der jeweiligen Fachdisziplin. Nur durch sie kann sichergestellt werden, dass Forschung ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und Verantwortung gerecht wird. Geraten diese Werte in Vergessenheit, besteht die Gefahr eines Vertrauensverlustes gegenüber Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftlern und den Ergebnissen ihrer Arbeit. Erweisen sich Forschungsergebnisse aufgrund von Datenmanipulationen oder sogar -fälschungen als unzuverlässig oder stehen Personen der Öffentlichkeit im Verdacht, große Teile ihrer Dissertation plagiiert zu haben, gerät nicht nur die Einzelperson in Verruf, sondern auch das Wissenschaftssystem an sich. Zudem bedeutet Fehlverhalten immer auch eine Verschwendung von Ressourcen: Fördermittel finanziert aus Steuergeldern, die Arbeitszeit der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler etc. Insbesondere in klinisch forschenden Disziplinen können die Folgen noch gravierender sein, wenn z.B. Probandinnen/Probanden von den Auswirkungen einer Missachtung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis betroffen sind.
Wissenschaftliches Fehlverhalten kann viele Gründe haben: hoher Druck möglichst schnell und viel zu publizieren, um im Konkurrenzkampf um Fördermittel bestehen zu können, Rationalisierung des Fehlverhaltens aufgrund der Überzeugung, dass die eigene Hypothese in jedem Fall richtig sein muss oder der Wunsch, möglichst schnell einen Titel zu erlangen, um beruflich voranzukommen, sind nur einige davon. Nicht immer führen diese Motivationsgründe zu einem gravierenden Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis. Oft führen sie aber zu fragwürdigen Vorgehensweisen, die in der Grauzone zum Fehlverhalten liegen. Gerade bei jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern während der Promotion besteht die Gefahr, dass sie durch negative Vorbilder und aufgrund von Abhängigkeitsverhältnissen fragwürdige Praxis kennen lernen und übernehmen, wenn diese in ihrem Umfeld üblich ist. Dabei sind die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis selbstverständlich bereits während der Promotion zentral, soll es sich bei einer Dissertation doch um einen eigenständigen Beitrag zur Forschung handeln. Für Promovierende ist es daher wichtig, sich frühzeitig mit dem Thema und den geltenden Regelungen auseinanderzusetzen, um eigenes Wissen aufzufrischen, fragwürdige Praxis oder gar Fehlverhalten zu erkennen und sich mit der Verfahrensweise bei Verdacht auf Fehlverhalten vertraut zu machen.
TIPP
Im Doctoral Researcher Development Program bietet die Graduiertenakademie im Themenbereich "Wissenschaft und Verantwortung" in Kooperation mit den Fakultäten regelmäßig Kurse zum Thema "Gute wissenschaftliche Praxis" für verschiedene Fachbereiche an.

2 Was ist wissenschaftliches Fehlverhalten?

Wissenschaftliches Fehlverhalten kann in verschiedenen Bereichen des Forschungsprozesses auftreten: bei Datenerhebung, -management und -auswertung, beim Umgang mit fremdem geistigen Eigentum, bei Gutachterinnen-/Gutachtertätigkeit für wissenschaftliche Publikationen oder Förderanträge, bei Fragen zu Publikation und Autorschaft, bei der Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses etc. Die Liste möglicher Verstöße und fragwürdiger Vorgehensweisen ist lang, die meisten Fälle von Fehlverhalten lassen sich aber auf drei allgemeine Tatbestände zurückführen (vgl. Verfahrensordnung der Universität Tübingen §1 (2)):
  • Falschangaben (z.B. Erfindung von Daten, Manipulation von Daten und/oder Quellen, falsche Angaben in Bewerbungen, Förderanträgen oder bei der Ausübung von Gutachterinnen- bzw. Gutachtertätigkeit etc.)
  • Verletzung geistigen Eigentums (z.B. durch Plagiat, Diebstahl von Ideen, Anmaßung von Autorschaft ohne eigenen Beitrag etc.)
  • Beeinträchtigung der Forschungstätigkeit anderer (z.B. durch Sabotage, Zerstörung von Materialien oder Informationsträgern, unerlaubte Weitergabe von Material etc.)
Neben der aktiven Beteiligung am Fehlverhalten anderer können auch eine bloße Mitwisserschaft bei Fehlverhalten, Mitautorschaft bei Veröffentlichungen, die auf Fälschungen beruhen oder die Vernachlässigung der Aufsichtspflicht gegenüber Nachwuchswissenschaftlerinnen oder Nachwuchswissenschaftlern als Fehlverhalten eingestuft werden oder zumindest einen Verdacht auf Fehlverhalten rechtfertigen (vgl. Verfahrensordnung der Universität Tübingen §1 (3)).

3 Regelungen zur guten wissenschaftlichen Praxis

Es obliegt dem Wissenschaftssystem, vor allen Dingen den Institutionen, die Teil des Systems sind, die Qualität der Forschung sicherzustellen und die Feststellung von sowie den Umgang mit Verstößen gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis selbst zu regulieren. Aus diesem Grund hat sich eine Reihe von internationalen, nationalen und institutionellen Regularien etabliert, die die Definitionen für Fehlverhalten festlegen und Verfahren für den Umgang mit Fehlverhalten aufzeigen. Im Folgenden wird eine Auswahl davon kurz vorgestellt.

3.1 DFG Denkschrift "Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis"

Um wissenschaftlichem Fehlverhalten vorzubeugen, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 1998 die Denkschrift „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ veröffentlicht. Auslöser für die Erarbeitung der Denkschrift war der bis dahin gravierendste Fall von wissenschaftlichem Fehlverhalten in Deutschland, bei dem Krebsforscherinnen/Krebsforscher die Daten zu über 90 Publikationen manipuliert hatten. Auch wenn gravierende Fälle wie dieser sehr selten sind, stellte sich doch die Frage, wie die Manipulationen so lange unentdeckt bleiben konnten und wie bei der Aufarbeitung solcher Fälle vorzugehen sei. Eine Arbeitsgruppe der DFG entwickelte daraufhin die Denkschrift, die Empfehlungen zur Vermeidung von und zum Umgang mit Fehlverhalten enthält. Hochschulen und außeruniversitäre Forschungsinstitute in Deutschland wurden aufgefordert, für die jeweils eigene Institution Richtlinien guter wissenschaftlicher Praxis zu formulieren und deren Einhaltung für alle Mitglieder verpflichtend zu machen (Empfehlung 2). Um der fortschreitenden Diskussion auf diesem Gebiet Rechnung zu tragen, wurde die Denkschrift 2013 in einer ergänzten und aktualisierten Fassung veröffentlicht. Die überarbeitete Fassung greift verstärkt die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf (Empfehlung 4).
Die insgesamt 17 Empfehlungen behandeln die Themenkomplexe Sicherung und Aufbewahrung von Primärdaten, Autorschaft bei Publikationen, Gutachterinnen- bzw. Gutachtertätigkeit, Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Verfahren bei wissenschaftlichem Fehlverhalten, Ombudswesen und den Umgang mit Hinweisgeberinnen bzw. Hinweisgebern (Whistleblower).

3.2 Verfahrensordnung der Universität Tübingen zum Umgang mit Fehlverhalten in der Wissenschaft

Die „Verfahrensordnung der Eberhard Karls Universität Tübingen zum Umgang mit Fehlverhalten in der Wissenschaft“ legt von den Empfehlungen der DFG ausgehend fest, was unter wissenschaftlichem Fehlverhalten zu verstehen ist, wie diesem vorgebeugt werden kann und wie im Falle eines Verstoßes zu verfahren ist. Alle Mitglieder der Universität Tübingen sind zur Einhaltung der Verfahrensordnung verpflichtet. Für Promovierende ist es deshalb wichtig, sich von Anfang an mit dem Thema auseinanderzusetzen und sicherzustellen, dass die Regeln bekannt sind und bei der Umsetzung des eigenen Projektes befolgt werden. Zentrale Themenkomplexe, die besonders für Promovierende relevant sind, sind dabei u.a. Plagiatsvermeidung, Regelungen zu Publikation und Autorschaft sowie Datenmanagement. Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich mit den Ombudsverfahren der Universität vertraut zu machen. An der Universität Tübingen gibt es sechs Vertrauenspersonen, die bei Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten kontaktiert werden können. Sie behandeln Anfragen zunächst vertraulich und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Sie prüfen Hinweise auf Fehlverhalten und vermitteln zwischen den betroffenen Parteien. Erhärtet sich der Verdacht auf Fehlverhalten, informieren die Vertrauenspersonen die Kommission zur Untersuchung von Fehlverhalten in der Wissenschaft der Universität Tübingen, die ein entsprechendes Verfahren einleitet, in dessen Verlauf alle Beteiligten angehört werden.
Neben der Verfahrensordnung, die universitätsweit für alle Mitglieder gilt, haben einige Fakultäten ergänzende eigene Regelungen entwickelt. Die Medizinische Fakultät etwa hat "Grundsätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" formuliert. Diese Regelungen greifen die Regelungen der Verfahrensordnung auf und ergänzen diese, ersetzen sich aber auf keinen Fall.

3.3 European Code of Conduct for Research Integrity

Um auf europäischer Ebene einheitliche Standards in Bezug auf gute wissenschaftliche Praxis zu schaffen, hat eine Arbeitsgruppe der European Federation of Academies of Sciences and Humanities (ALLEA), die sich aus 59 Wissenschaftsakademien aus 40 Ländern zusammensetzt, 2011 erstmals den European Code of Conduct for Research Integrity entwickelt. Eine überarbeitete Fassung wurde 2017 veröffentlicht. Der Code of Conduct definiert zunächst reliability (Zuverlässigkeit), honesty (Ehrlichkeit), respect (Respekt) und accountability (Rechenschaft) als die fundamentalen Prinzipien, auf denen Wissenschaft beruht. Im Folgenden gibt der Code of Conduct Empfehlungen für Forschungseinrichtungen und Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftler, die zur guten wissenschaftlichen Praxis beitragen. Bereiche, die dabei besonders in den Blick genommen werden, sind Bedingungen für ein positives Forschungsumfeld, die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlerinnen/-wissenschaftlern, Datenmanagement, Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftlern, Publikation sowie Gutachterinnen-/Gutachtertätigkeit und Herausgeberschaft. Im letzten Abschnitt wird wissenschaftliches Fehlverhalten abgegrenzt und der Umgang damit skizziert. Fehlverhalten sind Vorgehensweisen, die in eine von drei Kategorien fallen: fabrication (Erfinden von Daten), falsification (Fälschung von Daten) und plagiarism (Plagiat).

3.4 Singapore Statement on Research Integrity

Als erstes Dokument, das international einheitliche Standards im Bereich gute wissenschaftliche Praxis sicherstellen sollte, wurde 2013 auf der 2. World Conference on Research Integrity das sogenannte Singapore Statement verfasst. Das Dokument benennt Ehrlichkeit, Verantwortlichkeit, professionelles Verhalten sowie verantwortliches Verhalten gegenüber Dritten als zentrale Prinzipien guter Wissenschaft. Zudem spricht das Singapore Statement 14 Empfehlungen an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Wissenschaftsinstitutionen, Herausgeber und Fördergeber aus.

Neposledy editováno: 03. IX. 2018, 14:19, [v.becker]


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